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Gentechnik-Newsletter der GRÜNEN-Fraktion

Am 17. Februar besuchte der agrarpolitische Sprecher der GRÜNEN-Fraktion, Michael Weichert die BioFach in Nürnberg. Auf der weltgrößten Leistungsschau der ökologischen Landwirtschaft dokumentierten insgesamt 2557 Aussteller, wie hoch das Niveau ökologisch produzierter Waren aus den Bereichen Ernährung, Kleidung und Kosmetik heute ist. Doch die Ergebnisse der positiven Entwicklung der Branche werden durch die Agro-Gentechnik bedroht. Wo mit ihr gearbeitet wird, zieht der Ökolandwirt den Kürzeren.

Ein Beispiel: Aufgrund der zunehmenden Monopolbildung in der Saatgutindustrie geraten ökologisch produzierende Landwirte immer mehr in die Abhängigkeit von Unternehmen, die voll auf Gentechnik setzen. Je stärker Monsanto & Co herkömmliches Saatgut unter ihrer Kontrolle haben, desto willkürlicher drehen sie an der Preisschraube. Die steigenden Preise setzen gentechnikfrei arbeitende Produzenten unter Druck.

Auch wenn es in Deutschland in diesem Jahr offenbar keine großflächige Aussaat genmanipulierter Pflanzen geben wird, dürfen wir die Hände darum nicht in den Schoß legen: die Gefahr, dass der Nahrungsmittelmarkt in Zukunft von einigen Großunternehmen kontrolliert wird, ist längst nicht gebannt.

In dieser Ausgabe unseres Newsletters lesen Sie u.a.:

1. Monsanto: Klage gegen Genmais-Verbot ausgesetzt
2. Sachsen ist trauriger Spitzenreiter bei Planung von Genmais-Anbau
3. Landwirtschaftsminister Kupfer (CDU) diffamiert erneut Gentechnik-Kritiker
4. Monsanto bestätigt resistente Unkräuter
5. Indien: Gen-Baumwolle zieht Schädlinge an

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Monsanto: Klage gegen Genmais-Verbot ausgesetzt
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Auf Wunsch des Saatgutriesen Monsanto wurde dessen Klage gegen das deutsche Anbauverbot für den Genmais MON 810 vom Verwaltungsgericht Braunschweig ausgesetzt. Beide Streitparteien - das Bundesagrarministerium und Monsanto - wollen sich nun außergerichtlich einigen. Damit dürfte es auch 2010 keinen gentechnisch veränderter Bt-Mais auf deutschen Feldern geben.

Um einer erneuten Niederlage vor Gericht vorzubeugen, wartet Monsanto die Neubewertung von MON 810 im europäischen Zulassungsprozess ab. Jede Zulassung für genmanipulierte Organismen muss nach 10 Jahren entsprechend aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse neu betrachtet werden. Die EU-Kommission hatte den Genmais schon einmal als bislang einzige gentechnisch veränderte Pflanze zugelassen. Es gilt als sicher, dass sich der neue Verbraucherkommissar John Dalli für eine neue Zulassung stark machen wird. Der Maltese gilt als gentechnikfreundlich.

In diesem Fall wäre Agrarministerin Ilse Eigner gefragt. Sie hatte Mon 810 mit Hilfe einer Ausnahmeregelung im EU-Recht verboten. Die Neuzulassung des Genmaises würde Aigners Ausnahmeregelung zunächst aufheben.


2. Sachsen ist trauriger Spitzenreiter bei Planung von Genmais-Anbau
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Trotz Verbot des Bt-Maises MON810 haben mehrere sächsische Landwirte auch 2010 Flächen für den Genmais-Anbau beim Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angemeldet.

Aktuell wollen Landwirte sachsenweit auf ca. 550 ha Fläche Genmais anbauen. Damit ist Sachsen bundesweit einsame Spitze. Insgesamt wurden in Deutschland etwas über 1000 ha Anbaufläche angemeldet.

Bei den Anbaubetrieben handelt es sich um die gleichen Landwirte, die schon in den vergangenen Jahren auf Agro-Gentechnik gesetzt haben. Die mit 142 ha größte Anbaufläche im Freistaat befindet sich nahe Pulsnitz im Landkreis Bautzen. Dicht darauf folgt mit 135 ha Dreiheide in Nordsachsen und Zabeltitz bei Großenhain, wo auf 89 ha Ackerfläche genmanipulierter Mais wachsen soll. (Stand 12.2.2010)

Ursache für die ungeminderte Gentechnikgläubigkeit einiger sächsischer Landwirte ist vor allem der Kurs der Staatsregierung. Anders lautenden Expertenmeinungen zum Trotz glaubt Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU) immer noch, dass die Agro-Gentechnik das Allheilmittel für die Probleme der Landwirtschaft ist. Er wird nicht müde, bei jeder Gelegenheit ihren angeblichen Nutzen zu betonen und gegenteilige Meinungen entweder zu verschweigen oder als fortschrittsfeindlich zu diskreditieren.

TERMINHINWEIS:

>>> Am 24. März findet in Steina bei Pulsnitz eine Info-Veranstaltung der GRÜNEN-Landtagsfraktion zum Thema "Gentechnik in der Landwirtschaft - wie weiter?" statt. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, mit uns über aktuelle Entwicklungen in Sachsen Agro-Gentechnik zu diskutieren. Die Veranstaltung wird 18:00 Uhr im Gasthaus "Zur Linde", Elstraer Str. 50 in 01920 Steina beginnen. [mehr]

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