Datum: 20. Juli 2021

Kitas und Schulen bedarfsorientiert unterstützen: Gute Bildung braucht Chancengerechtigkeit

Der Sächsische Landtag beschäftigt sich diese Woche mit einem Antrag der Koalitionsfraktionen zur Erarbeitung eines Sozialindex für Kitas und Schulen. Dadurch sollen die unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen der Kitas und Schulen und die damit verbundenen Herausforderungen bei ihrer Ausstattung und Förderung stärker als bisher berücksichtigt werden.

Dazu erklärt Christin Melcher, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Wir BÜNDNISGRÜNE sind überzeugt: Chancengerechtigkeit ist ein zentraler Gradmesser für gute Bildung. Gute Kitas und Schulen sind ein Schlüssel, um Bildungsbenachteiligungen auszugleichen, Kinder individuell zu fördern sowie Lern- und Bildungserfolg zu sichern. Das schaffen Erzieher und Lehrerinnen jedoch nicht allein: Die Einrichtungen brauchen das Know-how unterschiedlicher Professionen – und das umso mehr, wenn sie in einem herausfordernden sozialen Umfeld agieren, die Schülerschaft sehr heterogen und die Problemlagen komplex sind.“

„Wir wollen Kitas und Schulen mit besonderen Bedarfen gezielt unterstützen. Zusätzliches Personal oder Budget soll dort ankommen, wo es am dringendsten gebraucht wird. Dafür wollen wir einen ‚Sozialindex‘ erarbeiten lassen. Dieser soll relevante Daten aus der Schul- und Sozialraumstatistik bündeln. Was bedeutet ‚besonderer Bedarf‘, über die Grundausstattung hinaus? Welche Faktoren im Umfeld der Einrichtung oder in der Einrichtung selbst sind relevant für die Arbeit von Kitas und Schulen? Welche so definierten Kriterien begründen welchen Ressourcenbedarf?“

Weiterhin betont Melcher: „An Erfahrungswerten mangelt es dabei nicht. Im Freistaat Sachsen werden bereits beim Einsatz von Assistenzkräften Schulen mit besonderen Herausforderungen vorrangig berücksichtigt. Auch im Bereich der frühkindlichen Bildung gibt es Beispiele für einen entsprechenden Fokus, etwa beim ESF-Programm ‚Kinder stärken‘. Kommunal werden Daten aus der Sozial- und Bildungsberichterstattung genutzt, um Einrichtungen in belasteten Sozialräumen besser zu unterstützen. Zudem wurde in mehreren anderen Bundesländern bereits ein Sozialindex entwickelt, etwa in Hamburg oder Schleswig-Holstein. Bisher haben vor allem Stadtstaaten Erfahrungen gesammelt. Die Anforderungen und Schwierigkeiten bei der Erstellung eines ‚Sozialindex‘, etwa bezüglich der Verfügbarkeit von Daten, sind in einem Flächenland jedoch anders gelagert. In dieser fachpolitischen Debatte kann Sachsen einen wichtigen Beitrag leisten.“

„Eine sozialindexbasierte Ressourcenzuweisung ist mindestens eine sinnvolle Ergänzung, um besondere Bedarfe von Kitas und Schulen zu berücksichtigen. Sie kann aber auch zum echten Paradigmenwechsel werden. Die Vorteile des Grundsatzes ‚Ungleiches ungleich behandeln‘ gegenüber dem Gießkannen- oder Windhund-Prinzip liegen für uns BÜNDNISGRÜNE auf der Hand.“

Weitere Informationen:

>> Antrag der Fraktionen CDU, BÜNDNISGRÜNE und SPD: „Kindertageseinrichtungen und Schulen mit besonderen Bedarfen gezielt unterstützen – Sozialindex erarbeiten“ (Drs 7/7097)

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