Datum: 10. November 2022

Schulsozialarbeit: Schule als Lern- und Lebensort verstehen

Der Sächsische Landtag hat in seiner heutigen Sitzung in einer Aktuellen Debatte auf Antrag der SPD über „Schule ist mehr als Unterricht. Sechs Jahre Landesprogramm Schulsozialarbeit: Ein Erfolgsmodell für Sachsen“ diskutiert. In den vergangenen sechs Jahren wurde Schulsozialarbeit sachsenweit an vielen Schulen möglich gemacht. 2021 profitieren 40 Prozent aller Schulen in Sachsen mit über 700 Fachkräften von der Förderung – die meisten davon Oberschulen, aber auch viele Grundschulen, Förderschulen und Gymnasien.

Dazu erklärt Kathleen Kuhfuß, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Sozialarbeit ist eine Chance für die Weiterentwicklung des Systems Schule. Schule wird nicht mehr nur als Lernort verstanden, sondern als ein Lebensort, an dem Kinder und Jugendliche Möglichkeiten der Beteiligung, Selbstwirksamkeit und auch Hilfe erfahren. Mobbing, der Umgang mit sozialen Medien, Themen wie Sexualaufklärung oder Depression, Kinderschutz und Hilfen bei Erziehungsfragen der Eltern gehören zum Arbeitsalltag von Schulsoziabeiterinnen und Schulsozialarbeitern. Dadurch sorgen sie für eine Entlastung der Lehrkräfte, die sich stärker auf ihre pädagogischen Aufgaben konzentrieren können, und sind wichtige Anker für die Schülerinnen und Schüler.“

„Doch Schulsozialarbeit darf nicht als Reparaturwerkstatt missverstanden werden für alles, was Lehrkräfte in einer vielfältigen Schulgemeinschaft herausfordert und vielleicht auch überfordert. Schulsozialarbeit ist eine Leistung der Jugendhilfe, in dieser Form gesetzlich verankert und auch finanziert. Schulsozialarbeit ist also nicht der Schule verpflichtet, sondern der Schülerin oder dem Schüler sowie den Erziehungsberechtigten. Jedes Kind ist uns wichtig – heute und in Zukunft.“

„Mein herzlicher Dank gilt den Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis, die sich den Herausforderungen rund um die Corona-Pandemie gestellt haben und auch in Zeiten der Schulschließungen engagiert an der Seite der Kinder und Jugendlichen standen. Damit dies auch in Zukunft gelingt, brauchen wir eine Verständigung zu den Kernaufgaben und zur Eigenständigkeit von Schulsozialarbeit.“

Christin Melcher, bildungspolitische Sprecherin der BÜNDNISGRÜNEN-Landtagsfraktion, ergänzt:

„Wir brauchen multiprofessionelle Teams an Schulen. Neben Schul- und Inklusionsassistenz ist Schulsozialarbeit ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Unterstützungssystems. Damit wird sowohl die individuelle, ganzheitliche Förderung aller Kinder und Jugendlichen möglich als auch eine Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer. Wichtig ist, dass die verschiedenen Professionen und Perspektiven gut koordiniert werden. Hier kommt der Schulleitung eine zentrale Rolle zu.“

„Der IQB-Bildungstrend hat gezeigt: Die Corona-Pandemie hat insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien und/oder mit Migrationshintergrund besonders getroffen. Unterstützungssysteme müssen dort ansetzen, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Und sie müssen so früh wie möglich ansetzen, damit alle Kinder die besten Startchancen haben. Das sind gezielte und frühzeitige Investitionen in die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit in diesem Land.“

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