Datum: 05. Oktober 2022

Studie zur Arbeitszeit von Lehrkräften: Es braucht mehr Entlastung durch Assistenzkräfte, um Aufgaben besser zu verteilen

Zur Vorstellung einer von der GEW beauftragten Studie zur Arbeitszeit von Lehrkräften in Sachsen erklärt Christin Melcher, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Die Studie bestätigt einmal mehr: Lehrerinnen und Lehrer machen einen unverzichtbaren Job – doch damit sie ihn auch weiterhin gerne machen und gesund bleiben, müssen die Rahmenbedingungen besser werden. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten seit Jahren am Limit, vor allem in Sachsen.“

„Der subjektive Eindruck einer hohen Arbeitsbelastung trügt nicht: Bei mehr als der Hälfte der Lehrkräfte liegt die tatsächliche Arbeitszeit teils deutlich über der vertraglich vereinbarten. Ein Drittel der Vollzeitkräfte arbeitet mehr als 48 Stunden in der Woche. Sächsische Lehrerinnen und Lehrer, das hatte bereits die GEW-Digitalisierungsstudie gezeigt, arbeiten länger als Lehrkräfte im Bundesdurchschnitt. Als Grund für die längere Arbeitszeit gelten insbesondere die ‚weiteren bzw. außerunterrichtlichen Tätigkeiten‘ – all das, was Lehrkräfte tun, wenn sie nicht vor der Klasse stehen oder den Unterricht vor- und nachbereiten. Der Anteil dieser Aufgaben steigt seit Jahren.“

„Wir brauchen deutlich mehr Lehr- und Assistenzkräfte. Dafür müssen wir den eingeschlagenen Weg und die zahlreichen Maßnahmen zur Personalgewinnung fortsetzen. Wenn es nicht gelingt, ausreichend Stellen auszuweisen und zu besetzen, dann braucht es zumindest die Bereitschaft, ausreichend Geld bereitzustellen, um entsprechende Tätigkeiten auf mehr Schultern zu verteilen. Das bedeutet: mehr Schulassistenz, mehr Praxisberatung, mehr Schulsozialarbeit – mehr Professionen an unseren Schulen! Das schafft Entlastung und Raum für pädagogische Arbeit. Den sächsischen Lehrkräften mangelnde Resilienz und fehlende Leistungsbereitschaft vorzuwerfen, geht hingegen völlig fehl.“

Abschließend erklärt Melcher: „Wir BÜNDNISGRÜNE wenden uns gegen eine generelle Kürzung von Anrechnungs-, Ermäßigungs- und Abminderungsstunden. Es hat Gründe, warum und wofür diese Stunden ausgereicht werden. Wer bei Abminderungsstunden pauschal Einsparpotenzial wittert, verkennt sowohl die Altersstruktur der sächsischen Lehrkräfte als auch die Vielzahl an Funktionen und Aufgaben, die in Schulen anfallen. Von der pädagogischen IT-Koordination über Fachberatung und Lehrplankommission bis hin zur Begleitung von Ganztagsangeboten und Praktika – Schule ist mehr als Unterricht und Lehrersein ist mehr als Unterrichten.“

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