Datum: 11. September 2023

Streckenreaktivierung: Oberlausitzer Strecken nicht vorzeitig abschreiben  

Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hat gestern die Ergebnisse der Potenzialanalyse zur Streckenreaktivierung in Sachsen vorgestellt. Dabei hat das Ministerium bekanntgegeben, sich künftig insbesondere auf die Reaktivierung der Strecken Marienberg – Pockau-Lengefeld und Beucha – Brandis – Trebsen sowie Döbeln – Meißen fokussieren zu wollen.

Dazu erklärt Gerhard Liebscher, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Die Streckenreaktivierung in Sachsen kommt einen weiteren Schritt voran. Das ist ein wichtiges Zeichen für die vielen Menschen in den ländlichen Räumen, die sich seit Jahren eine bessere Anbindung an die Ballungszentren wünschen und für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken einsetzen. Bei meinen Besuchen vor Ort habe ich erlebt, wie groß das Interesse an einer Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken ist.“

„Aus diesem Grund können wir BÜNDNISGRÜNE die Bewertung der untersuchten Strecken Löbau – Ebersbach und Niedercunnersdorf – Oberoderwitz (Herrnhuter Bahn) nicht nachvollziehen und halten an weiteren Planungsschritten fest. Die Analyse stellt die Potenziale der beiden Strecken in Ostsachsen aus unserer Sicht fehlerhaft dar. So wurde beispielsweise die Beförderungsleistung bei der Strecke Bautzen – Löbau – Görlitz – Oberoderwitz – Ebersbach – Zittau nur für die reaktivierten Abschnitte beigefügt und nicht für die Gesamtstrecke, wie es bei Marienberg – Pockau-Lengefeld der Fall ist. Damit ist die Ergebnisdarstellung für die Oberlausitzer Strecke lückenhaft und bietet keine Vergleichbarkeit mit den anderen untersuchten Strecken in Sachsen.“

„Aus einer eigenen Berechnung meiner Fraktion mit den vorliegenden Zahlen des Verkehrsministeriums wurde bei einer Reaktivierung der beiden Oberlausitzer Strecken ein wesentlich höheres Fahrgastpotenzial für die gesamte Region deutlich. Durch die Fahrtzeitverkürzung (Görlitz – Ebersbach minus 35 Minuten oder Obercunnersdorf –Zittau minus 28 Minuten) wären die Zugverbindungen eindeutig konkurrenzfähig zum Auto und es könnten Millionen PKW-Kilometer pro Jahr eingespart werden. Und wie wir seit Anfang Juli auf der Strecke Löbau – Ebersbach sehen konnten, funktioniert der Zugverkehr und wird rege genutzt. Diese Strecke nicht zu reaktivieren, wäre ein Fehler. Hier liegen Fahrgastpotenziale offen. Wir BÜNDNISGRÜNE plädieren deshalb dafür, die nächsten Planungsstufen einzuleiten und auf deren Basis, gemeinsam mit dem Landkreis Görlitz, über die weiteren Schritte zu entscheiden.“

Abschließend fordert Liebscher: „Es mangelt hier nicht an der Finanzierbarkeit. Im Doppelhaushalt 2023/24 wurden durch meine Fraktion Mittel zur Reaktivierung von sechs Bahnstrecken eingestellt, darunter Löbau – Ebersbach und die Herrnhuter Bahn. Die Planung der ersten Phasen ist für beide Strecken finanzierbar und muss sofort angegangen werden.“

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