Datum: 12. Februar 2014

Braucht Sachsen Babyklappen?

Anonyme Geburt und Babyklappen als letzte Möglichkeit für verzweifelte Mütter sind umstritten. Während Befürworter hierin Möglichkeiten zur Rettung von Leben sehen, kritisieren ihre Gegner, dass dadurch das Recht eines Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft verletzt werde. Außerdem würde die Hemmschwelle, ein ungewolltes Kind abzugeben, für Frauen abgebaut.

In einem öffentlichen Fachgespräch, zu dem die beiden Abgeordneten Annekathrin Giegengack, gesundheitspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion und Annekatrin Klepsch, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der LINKEN eingeladen hatten, diskutierten am 2.5.2012 im Landtag 40 Fachvertreter aus ganz Sachsen, die Probleme, die mit diesen Angeboten verbunden sind und Möglichkeiten anderer Hilfeleistungen.

Als Gäste waren eingeladen Dr. med. Nikos Fersis, Chefarzt der Chemnitzer Frauenklinik, Uta Jarsumbeck und Carola Bockhacker, Kaleb Dresden e.V und Peter Kühn, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Adoptierter.

Bislang wurden 44 Kinder in den sächsischen Babyklappen abgegeben – 21 in der Babyklappe des Chemnitzer Klinikums, 16 beim Dresdner Verein Kaleb, fünf im Leipziger Klinikum St. Georg. Bei der Diskussionsrunde machte der Chefarzt des Chemnitzer Frauenklinikums klar, dass sich Frauen der Verantwortung gegenüber ihren Kindern durchaus bewusst seien, sie sich jedoch in einer absoluten Notsituation befänden.

Neben der Babyklappe gibt es sachsenweit in sieben Städten für Frauen in Notsituationen auch die Möglichkeit, anonym zu entbinden. In den letzten zehn Jahren nahmen beim Kaleb e.V 21 Frauen diese Möglichkeit in Anspruch. Viele der Frauen gaben zu einem späteren Zeitpunkt ihre Anonymität auf. Für Ute Jarsumbek, die beim Findelbaby-Projekt des Kaleb e.V arbeitet, zeigt dies, welchen hohen Stellenwert der persönliche Kontakt zu den Müttern hat.

Anfang 2012 sorgte eine Studie des Deutschen Jugendinstitutes München für eine größere Fachdebatte um die Legalität und Notwendigkeit von Anonymer Geburt und Babyklappe. Schon vor einigen Jahren empfahl der Deutsche Ethikrat, Babyklappen und Möglichkeiten zur anonymen Geburt aufzugeben und stattdessen legale Hilfsangebote für Schwangere in Notsituationen zu schaffen. Auch das Bundesfamilienministerium kündigte an, noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Möglichkeit, ein Kind anonym abzugeben oder zur Welt zu bringen, einschränken soll. Laut Ministerium soll es stattdessen die Möglichkeit zu einer „vertraulichen“ Geburt geben. Bei diesem Modell wird die Mutter verpflichtet, persönliche Daten preiszugeben, die jedoch erst Jahre später eingesehen werden kann. Spezielle Schwangerschaftsberatungsstellen sollen diese Geburten organisieren und begleiten.

„In dem Fachgespräch wurde deutlich, dass durch intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Frauenkliniken, Vereinen und Jugendämter versucht wird, sowohl den in Not geratenen Müttern als auch den abgegebenen Kindern gleichermaßen gerecht zu werden. Das ist immer eine Gratwanderung. Die Diskussion hat gezeigt, dass in Sachsen äußerst verantwortlich mit den Angeboten Anonyme Geburt und Babyklappe umgegangen wird. An der großen Resonanz, die diese Fraktionsveranstaltung in der sächsischen Fachöffentlichkeit gefunden hat, wurde deutlich, dass ein regelmäßiger Austausch zwischen den verschiedenen Anbietern wünschenswert wäre.“ so Giegengack.

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