Datum: 20. Juli 2026

Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende: Sachsen braucht Drogenpolitik, die schützt statt stigmatisiert

Anlässlich des Gedenktages für verstorbene Drogengebrauchende am morgigen Dienstag, 21. Juli , fordert die BÜNDNISGRÜNE-Landtagsabgeordnete Christin Melcher eine Stärkung von Suchthilfe, Prävention, Schadensminderung und Frühwarnstrukturen in Sachsen. Aktuelle Antworten der Staatsregierung auf Kleine Anfragen (Drs 8/7121 und Drs 8/7122) zeigen: 2025 wurden in Sachsen 26 drogenbedingte Todesfälle registriert. In 15 Fällen starben Menschen infolge von Mischintoxikationen. Zugleich nehmen Risiken durch Fentanyl, Nitazene und Neue Psychoaktive Substanzen zu.

Christin Melcher, drogen- und suchtpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, betont:

„Hinter jedem drogenbedingten Todesfall steckt ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, Angehörigen und Freundinnen und Freunden. Jeder einzelne Todesfall ist einer zu viel. Wir müssen mehr dafür tun, dass Menschen frühzeitig Hilfe bekommen. Sachsen braucht eine moderne Drogenpolitik, die schützt, statt stigmatisiert.“

„Das Risiko geht immer häufiger nicht von einer einzelnen Substanz, sondern von gefährlichem Mischkonsum aus. 2020 wurden vier Todesfälle infolge polyvalenter Vergiftungen registriert, 2025 waren es bereits 15. Gleichzeitig wurden im Jahr 2025 vier Todesfälle im Zusammenhang mit Fentanyl gemeldet – so viele wie in den fünf Jahren zuvor zusammen. Erstmals wurde zudem ein Todesfall im Zusammenhang mit Nitazenen festgestellt. Das sind unübersehbare Warnsignale. Die Drogen- und Suchtpolitik des Freistaates muss mit diesen Entwicklungen Schritt halten.“

„Sachsen hat wichtige Erkenntnisse aus Suchthilfe, Gesundheitswesen, Polizei, Rechtsmedizin und Kommunen. Aber dieses Wissen wird noch nicht konsequent genung zusammengeführt und schnell genug in Schutzmaßnahmen übersetzt. Wer Risiken erst erkennt, wenn Menschen sterben, handelt zu spät. Wir brauchen wirksame Frühwarnstrukturen, die gefährliche Entwicklungen früh erkennen und Prävention, Suchthilfe und Schadensminderung rechtzeitig darauf ausrichten.“

Christin Melcher abschließend:

„Die Suchthilfe in Sachsen leistet jeden Tag unverzichtbare Arbeit. Sie ist für viele Menschen der Ort, an dem Hilfe beginnt. Sie begleitet Menschen in schwersten Krisen, unterstützt Angehörige und schafft Wege zurück zu Stabilität und Teilhabe. Suchthilfe verdient eine dauerhafte und krisenfeste Aufstellung – mit verlässlicher Finanzierung, ausreichend Fachkräften und niedrigschwelligen Angeboten vor Ort.“

Die BÜNDNISGRÜNE Fraktion im Sächsischen Landtag fordert deshalb:

  • eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung der Suchthilfe, Suchtberatung und Prävention,
  • den Ausbau niedrigschwelliger mobiler Hilfen vor Ort,
  • klare Melde- und Informationswege zwischen Suchthilfe, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Polizei und Kommunen,
  • ein landesweites Frühwarnsystem für gefährliche Substanzen und riskante Entwicklungen,
  • die Unterstützung von Kommunen bei Drogenkonsumräumen und mobilen schadensmindernden Angeboten.

>> Kleine Anfrage der Abgeordneten Christin Melcher (Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag)Drs.-Nr.: 8/7121 – Entwicklung drogenbedingter Todesfälle und Maßnahmen zur Schadensminderung in Sachsen

>> Kleine Anfrage der Abgeordneten Christin Melcher (Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag)Drs.-Nr.: 8/7122 – Monitoring- und Frühwarnstrukturen zu gefährlichen Entwicklungen auf (illegalisierten) Drogenmärkten in Sachsen

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