Datum: 18. März 2026

Argrarministerkonferenz: Zukunft durch mehr Regionalität und weniger Abhängigkeiten

Zur Agrarministerkonferenz (AMK) vom 18. bis 20. März in Bad Reichenhall (Bayern) fordern die BÜNDNISGRÜNEN im Sächsischen Landtag eine klare Positionierung des Freistaats für eine zukunftsfähige Landwirtschaftspolitik. Auf der Konferenz beraten Bund und Länder über zentrale agrarpolitische Weichenstellungen, darunter die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP), das Düngerecht, Tierhaltung und Ernährungssicherheit.

Dazu erklärt Wolfram Günther, agrar- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion:

Andere Bundesländer nutzen die Agrarministerkonferenz für die Weiterentwicklung unserer Landwirtschaft, aus Sachsen kommt hingegen nicht Substanzielles. Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch hat selbst betont, dass sich Umweltleistungen für Höfe lohnen müssen. Jetzt ist der Moment, diese Haltung auf der Agrarministerkonferenz in konkrete Politik zu übersetzen. “

„Sachsen ist ein großes Flächenland mit besonderen Herausforderungen. Gleichzeitig zahlt jede Sächsin und jeder Sachse jährlich rund 100 Euro für die europäische Agrarförderung. Diese 100 Euro müssen gezielt in eine Landwirtschaft fließen, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen stärkt und den Betrieben eine verlässliche wirtschaftliche Perspektive bietet. Wir erwarten, dass sich Agrarminister von Breitenbuch für Sachsen mit Nachdruck für eine Agrarpolitik einsetzt, die starke Höfe ermöglicht, die Abhängigkeit von Gas und Öl reduziert und eine nachhaltige, regionale Ernährung sichert.“

„Eine zukunftsfähige Agrarpolitik muss sich dabei konsequent an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Eine krisenfeste Landwirtschaft gelingt nur durch einen systemischen Wandel – mit klaren Anreizen für Klima-, Boden- und Naturschutz. Genau diesen Weg muss Sachsen aktiv unterstützen.“

 

Hintergrund

Agrarpolitik und Klimarisiken: Der Europäische Wissenschaftliche Beirat für Klimawandel weist darauf hin, dass Europas Agrar- und Ernährungssystem gleichzeitig unter starkem Klimadruck steht und selbst erheblich zu Treibhausgasemissionen beiträgt. Dürren, Starkregen, Hitze und neue Krankheiten treffen landwirtschaftliche Betriebe immer häufiger. Der Beirat empfiehlt deshalb einen grundlegenden Wandel hin zu resilienten Produktionssystemen, klimafreundlichen Anreizen und stabilen Wertschöpfungsketten.

Öffentliche Agrargelder: Die Gemeinsame Agrarpolitik gehört zu den größten Investitionsprogrammen der Europäischen Union. Pro Kopf fließen jährlich rund 100 bis 120 Euro aus Steuermitteln in die Agrarförderung. Fachleute schlagen vor, diese Mittel stärker an Leistungen für Klima, Wasser, Boden und Biodiversität zu binden. Dieses Prinzip wird als „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ bezeichnet.

Resiliente Landwirtschaft stärkt Betriebe: Daten aus dem agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung zeigen deutliche Unterschiede bei Betriebsmittelkosten. Betriebe mit stärker kreislauforientierten Produktionssystemen geben deutlich weniger Geld für energieintensive Betriebsmittel aus. Beispielsweise liegen die durchschnittlichen Ausgaben für mineralische Düngemittel bei ökologisch wirtschaftenden Betrieben bei rund 24 Euro pro Hektar, während konventionelle Betriebe im Durchschnitt etwa 206 Euro pro Hektar aufwenden müssen. Solche Zahlen zeigen: Landwirtschaftliche Systeme mit vielfältigen Fruchtfolgen, Gründüngung und regionalen Nährstoffkreisläufen verbinden ökologische Vorteile mit wirtschaftlicher Stabilität. Sie stärken die Unabhängigkeit der Betriebe von globalen Energie- und Rohstoffpreisen und erhöhen gleichzeitig die Resilienz des gesamten Ernährungssystems.

 

>> Report „Climate adaptation and mitigation in the agri-food system – Recommendations for coherent EU policies“

>> Agrarpolitischer Bericht der Bundesregierung 2023

 

 

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