Fallzahlen der Opferhilfe auf Höchststand: Wegschauen ist keine Lösung
Die Zahl der Ratsuchenden beim Opferhilfe e.V. ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage (Drs 8/5085) der BÜNDNISGRÜNEN-Abgeordneten Katja Meier ist die Gesamtzahl von 2.500 Fällen (2022) auf einen neuen Höchststand von 4.026 Fälle (2025) angestiegen. Gleichzeitig ging die Personalausstattung 2025 gegenüber dem Vorjahr zurück (22,2 Vollzeitäquivalente gegenüber 23,7 in 2024).
Katja Meier, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, erklärt dazu:
„Mehr Hilfesuchende und immer weniger Personal: Das passt nicht zusammen. Die Folge sind längere Wartezeiten für Betroffene und eine wachsende Belastungen für die Beschäftigten in einem ohnehin hoch anspruchsvollen Arbeitsfeld. Wer nach Gewalt Unterstützung sucht, braucht schnelle, verlässliche Hilfe und keine langen Wartelisten.“
Hinzu kommen regionale Versorgungslücken: In den Landkreisen Mittelsachsen, Leipzig und Nordsachsen gibt es weiterhin keine eigene Beratungsstelle. Die Staatsregierung verweist darauf, dass neue Standorte von verfügbaren Haushaltsmitteln abhängen. Sie lässt dabei aber offen, ob sie im kommenden Haushalt zusätzliche Mittel dafür vorsehen will. Stattdessen beruft sich das Justizministerium auf die Frage, welche Maßnahmen zur Sicherstellung einer auskömmlichen Personalausstattung geplant sind, auf den sogenannten Kernbereich der exekutiven Eigenverantwortung und sieht von einer Beantwortung ab.
„Gerade angesichts steigender Fallzahlen ist diese Auskunftsverweigerung nicht hinnehmbar. Wegschauen ist keine Lösung. Die Staatregierung wäre gut beraten, im Haushaltsentwurf die gestiegenen Fallzahlen abzubilden, um die Opferhilfe so auszustatten, dass zusätzliche Fachkräfte eingestellt und die Beratungslücken in den Landkreisen geschlossen werden können. Schutz und Unterstützung für Opfer von Gewalt dürfen nicht vom Wohnort abhängen, sondern müssen überall in Sachsen erreichbar sein„, fordert Meier.
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