Datum: 11. Februar 2026

Gewaltschutz: Bundesweite Dunkelfeldstudie bestätigt Handlungsdruck in Sachsen

Gestern wurde die bundesweite Dunkelfeldstudie LeSuBiA zum Ausmaß an Gewalt in Deutschland vorgestellt. Sie zeigt deutlich, dass amtliche Statistiken nur einen Teil der Gewalt abbilden, denn Betroffene erstatten selten Anzeige.

Für Katja Meier, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, ist die Studie auch ein klarer Handlungsauftrag an den Freistaat:

Wer das Dunkelfeld ernst nimmt, muss das Hilfesystem stärken. Sexualisierte Gewalt, Belästigung und Stalking passieren häufig und kommen dennoch nur selten zur Anzeige. Wir dürfen die Betroffenen nicht alleine lassen und müssen die Hürden für Unterstützung weiter senken. Das heißt: Gewaltschutz, Beratung, Opferhilfe und anonyme Spurensicherung müssen überall in Sachsen verlässlich erreichbar sein. Dafür braucht es starke Schutz- und Beratungsstrukturen und eine dauerhaft abgesicherte Finanzierung der Opferhilfe. Und wir brauchen schnell ein sächsisches Landesgesetz zur Umsetzung des Gewalthilfegesetzes, das Zuständigkeiten, Standards und vor allem die Finanzierung verbindlich regelt, damit Schutz und Beratung nicht vom Wohnort oder vom Zufall abhängen.“

„Die LeSuBiA-Ergebnisse stehen nicht isoliert. Sachsen hat in den letzten Jahren selbst Dunkelfeld- und Lageanalysen vorgelegt, die in dieselbe Richtung weisen. Die beiden Periodischen Sicherheitsberichte Sachsen betonen, dass das Hellfeld die Realität von Gewalt nur unvollständig abbildet und Dunkelfeldperspektiven nötig sind, um Ausmaß und Trends richtig zu bewerten. Gleichzeitig weisen die Berichte darauf hin, dass sexualisierte Gewalt auch im Hellfeld sichtbar ein Schwerpunkt bleibt, unter anderem bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und bei sexualisierter Gewalt an Kindern.“

Es fehlt uns nicht an Wissen, sondern an Aufmerksamkeit für das tatsächliche Ausmaß an Gewalt gegen Frauen. Wir BÜNDNISGRÜNE setzen uns für den Ausbau des Schutzsystems ein, damit mehr Betroffene die Hilfe bekommen, die sie so dringend benötigen.“

 

Hintergrund:

LeSuBiA ist eine große, repräsentative Befragung in Deutschland. 15.479 Personen im Alter von 16 bis 85 Jahren wurden zwischen Juli 2023 und Januar 2025 befragt. Inhaltlich untersucht die Studie Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften, mit Schwerpunkten u. a. bei Partnerschaftsgewalt, sexualisierter Gewalt und digitaler Gewalt. LeSuBiA nutzt dabei einen breiten Gewaltbegriff und bildet auch psychische und digitale Gewaltformen ab, die in Hellfeldzahlen häufig fehlen.

Die Ergebnisse belegen, dass psychische Gewalt in (Ex-)Partnerschaften sehr häufig berichtet wird. Frauen geben dies in der Lebenszeitprävalenz mit 48,7 Prozent an, Männer mit 40,0 Prozent. Für emotionale Gewalt in den letzten fünf Jahren liegen die Werte bei 20,2 Prozent für Frauen und 17,9 Prozent für Männer. Besonders deutlich ist die geschlechtsspezifische Betroffenheit bei sexualisierter Gewalt und Belästigung. Für sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt außerhalb von (Ex-)Partnerschaften berichten Frauen für die letzten fünf Jahre 33,1 Prozent. Auch Stalking betrifft Frauen häufiger. Außerhalb von (Ex-)Partnerschaften berichten dies in den letzten fünf Jahren 8,4 Prozent der Frauen und 5,4 Prozent der Männer. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Anzeigebereitschaft bei verschiedenen Gewaltformen sehr niedrig ist.

 

>> Dunkelfeldstudie „Lebenssituation Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“

>> Erster Periodischer Sicherheitsbericht 2017-2021 (SMI/SMJusDEG)

>> Zweiter Periodischer Sicherheitsbericht 2019-2023 (SMI/SMJusDEG)

>> Dunkelfeldstudie zur Viktimisierung von Frauen durch häusliche Gewalt, Stalking und sexualisierte Gewalt« (VisSa-Studie) (SMJusDEG 2023)

>> Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag „Zugang zur vertraulichen Spurensicherung in ganz Sachsen sicherstellen – Qualität, Finanzierung und Struktur dauerhaft stärken“

 

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