Wir stärken die Ausbildungsinfrastruktur und stellen für die Modernisierung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten rund 11 Millionen Euro aus dem Sachsenfonds bereit
Redebeitrag der Abgeordneten Franziska Schubert (BÜNDNISGRÜNE) zu TOP 6, Antrag der Fraktionen BÜNDNISGRÜNE, CDU und SPD um Thema: „Aktionsplan für ein starkes sächsisches Handwerk“ 31. Sitzung des 8. Sächsischen Landtags, Donnerstag, 25.06.2026
– Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrter Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
es gibt viele Debatten in diesem Haus über die Zukunft Sachsens.
Über Wirtschaft, Bildung, Infrastruktur, Energiewende.
Bei fast allen diesen Fragen landen wir am Ende beim Handwerk.
Denn ohne Handwerk gibt es keine Wärmepumpe im Keller, keine Solaranlage auf dem Dach, keine sanierte Schule und keine funktionierende regionale Wirtschaft. Und ziemlich oft gäbe es dann keine Spende für das Zuckertütenfest der Kita oder lokale Vereine. Wenn Sachsen funktioniert, dann hat das sehr oft mit dem Handwerk zu tun. Handwerkerinnen und Handwerker bilden aus, schaffen Arbeitsplätze, investieren vor Ort und sorgen dafür, dass unser Alltag funktioniert. Wer über die Zukunft Sachsens spricht, muss deshalb auch über die Zukunft des Handwerks sprechen.
Genau darum geht es in dem Antrag, den wir heute gemeinsam einbringen und begleitet haben. Ich schätze den Dialog, die pragmatische Zusammenarbeit mit unserem Handwerk. Dafür danke!
Denn die Herausforderungen sind groß: Der Fachkräftemangel ist Realität. Für viele Betriebe wird die Nachfolge zur Existenzfrage. Die Kosten steigen. Bürokratische Anforderungen nehmen zu. Gerade kleine und mittlere Betriebe stoßen dabei oft an ihre Grenzen.
Deshalb braucht das Handwerk verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und eine Politik, die die tatsächlichen Probleme der Betriebe ernst nimmt. Als BÜNDNISGRÜNE haben wir dazu ein eigenes Handwerkspaket vorgelegt und zentrale Anliegen des Handwerks in den Landtag eingebracht. Nicht alles davon findet sich in diesem gemeinsamen Antrag wieder. Aber vieles hat in einen gemeinsamen Prozess Eingang gefunden. Das ist ein gutes Signal für die Betriebe im Freistaat.
Wir stärken die Ausbildungsinfrastruktur und stellen für die Modernisierung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten rund 11 Millionen Euro aus dem Sachsenfonds bereit. Wir erhöhen den Meisterbonus. Und wir arbeiten gemeinsam mit den Kammern an einer Lösung für die Kostenneutralität des Meisterbriefs.
Denn wenn wir die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ernst meinen, dann darf sie nicht bei Lippenbekenntnissen enden. Oder mit den Worten des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten gesprochen: Wenn der Master kostenfrei ist, muss auch der Meister kostenfrei sein. Dafür setzen wir uns weiterhin ein.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mindestens genauso wichtig ist die Frage, wer morgen überhaupt noch im Handwerk arbeitet.
Viele junge Menschen entdecken ihre Fähigkeiten erst dann, wenn sie praktische Erfahrungen sammeln können. Deshalb brauchen wir eine starke Berufsorientierung und echte Begegnungen mit handwerklichen Berufen. Unser Antrag beinhaltet deshalb, dass Sachsen Initiativen für ein freiwilliges Jahr im Handwerk auf Bundesebene unterstützt. Junge Menschen sollen die Möglichkeit haben, verschiedene Gewerke kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln und vielleicht genau dort ihren beruflichen Weg zu finden.
Gleichzeitig wissen wir: Ausbildung endet nicht mit dem Ausbildungsvertrag. Deshalb setzen wir uns für bessere Bedingungen in der beruflichen Bildung ein. Dazu gehören ausreichend und bezahlbare Wohnangebote für Auszubildende, eine bessere Verzahnung von Wohnen und Mobilität sowie die Unterstützung minderjähriger Auszubildender fern ihres Elternhauses. Und noch einen Punkt möchte ich heute besonders hervorheben, weil er mir persönlich besonders am Herzen liegt. Wenn wir über Betriebsnachfolge, Gründungen und die Zukunft des Handwerks sprechen, dann müssen wir auch über die Situation selbstständiger Unternehmerinnen sprechen. Den Antrag von uns für ein Modellprojekt „Mutterschutz für Selbstständige“ lassen wir stehen und verfolgen ihn weiter.
Bis heute haben selbstständige Frauen im Fall einer Schwangerschaft nicht den Schutz, den angestellte Arbeitnehmerinnen selbstverständlich in Anspruch nehmen können. Das ist weder zeitgemäß noch wirtschaftlich klug. Denn wir brauchen mehr Frauen, die Unternehmen gründen, Betriebe übernehmen und Verantwortung tragen. Und es ist insbesondere ein Thema des Handwerks. Deshalb setzen wir uns für neue Wege ein, Mutterschutz für Selbstständige zu ermöglichen. Und deshalb werben wir dafür, dass Sachsen mit einem Pilotprojekt vorangeht, wenn es auf Bundesebene nicht schnell genug vorankommt. Das ist eine Frage der Gleichberechtigung. Aber es ist auch eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dieser Antrag löst nicht alle Probleme des Handwerks. Aber er setzt an wichtigen Stellen an. Er stärkt Ausbildung und Qualifizierung. Er verbessert die Rahmenbedingungen für Betriebe. Und er setzt wichtige Impulse für die Zukunft des Handwerks in Sachsen.
Mit diesem Beschluss ist die Arbeit nicht erledigt. Wer über die Zukunft Sachsens spricht, muss über die Gegenwart und Zukunft des Handwerks sprechen. Denn hier entstehen Ausbildungsplätze. Hier wird Verantwortung übernommen. Hier wird aus Können Wertschöpfung.
Und deshalb werden wir weiter dafür arbeiten, dass das Handwerk in Sachsen die Bedingungen und die Wertschätzung erhält, die es verdient.
Vielen Dank.