Datum: 24. Juni 2026

Apotheken sind mehr als Ausgabestellen für Medikamente

Redebeitrag des Abgeordneten Thomas Löser (BÜNDNISGRÜNE) zur Zweiten Aktuellen Debatte (Antrag der Fraktion CDU) zum Thema „Sachsens Apotheken als Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung dauerhaft stärken.“

30. Sitzung des 8. Sächsischen Landtags, Mittwoch, 24.06.2026, TOP 2

– Es gilt das gesprochene Wort – 

 

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

sehr geehrte Damen und Herren,

die CDU hat diese Aktuelle Debatte unter den Titel gestellt: „Sachsens Apotheken als Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung dauerhaft stärken.“

Dem können wir ausdrücklich zustimmen.

Apotheken sind Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung.

Sie sichern die wohnortnahe Arzneimittelversorgung. Sie beraten Patientinnen und Patienten. Sie organisieren den Umgang mit Lieferengpässen. Sie übernehmen Medikationsanalysen, Impfungen und weitere pharmazeutische Dienstleistungen.

 

Und gerade im ländlichen Raum sind sie oft die niedrigschwelligste und am besten erreichbare Anlaufstelle im Gesundheitswesen.

 

Doch wenn wir heute über die dauerhafte Stärkung der Apotheken sprechen, dann müssen wir auch darüber sprechen, warum ihre Situation vielerorts schwieriger geworden ist.

Die Zahl der Apotheken sinkt seit Jahren. Seit 2013 ist sie in Sachsen um rund 13 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Die Bevölkerung wird älter, der Beratungsbedarf wächst, Lieferengpässe müssen bewältigt werden und der Fachkräftemangel verschärft sich.

Das alles kommt nicht überraschend.

Diese Entwicklung ist seit Jahren absehbar.

 

Und genau deshalb stellt sich die Frage: Was hat die Staatsregierung getan, um dieser Entwicklung strategisch zu begegnen?

 

Die Linke hat einen Antrag zur Zukunft der Apotheken vorgelegt. Wir als BÜNDNISGRÜNE haben einen Antrag vorgelegt.

Aber von CDU und SPD als Regierungsfraktionen gab es über Jahre hinweg keinen eigenen parlamentarischen Vorschlag, wie die Arzneimittelversorgung in Sachsen langfristig gesichert und weiterentwickelt werden soll.

 

Statt zu gestalten, wurde zu oft verwaltet.

Statt eine Strategie zu entwickeln, wurde auf Entwicklungen reagiert.

Dabei wäre genau das die Aufgabe einer verantwortungsvollen Landespolitik gewesen.

Denn Apotheken sind weit mehr als Ausgabestellen für Medikamente.

 

Sie sind Gesundheitsdienstleister. Sie vermitteln Gesundheitskompetenz. Sie entlasten andere Bereiche des Gesundheitswesens. Und sie bieten einen besonders barrierearmen Zugang zur Versorgung. Für viele ältere Menschen, chronisch Erkrankte oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist die Apotheke häufig der einfachste Zugang zum Gesundheitssystem.

 

Trotzdem gibt es bis heute kein landespolitischen Masterplan für die Arzneimittelversorgung.

Wir haben Zielbildprozesse für die Krankenhausversorgung und für die Pflege.

 

Aber für die Arzneimittelversorgung – einem zentralen Bereich der Gesundheitsversorgung – fehlt ein vergleichbarer strategischer Ansatz.

Genau deshalb haben wir als BÜNDNISGRÜNE einen eigenen Antrag eingebracht.

Wir wollen gemeinsam mit den Apothekerinnen und Apothekern, den Kommunen, den Krankenkassen, der Wissenschaft und den weiteren Akteuren der Gesundheitsversorgung ein „Zielbild Arzneimittelversorgung 2030“ entwickeln.

Denn wir müssen heute die Fragen beantworten, die über die Versorgung von morgen entscheiden:

Wie sichern wir die wohnortnahe Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum?

Wie stärken wir regionale Versorgungsnetzwerke?

Wie binden wir Apotheken stärker in Prävention und Gesundheitsförderung ein?

Wie nutzen wir ihre Kompetenz bei der Gesundheitsberatung?

 

Und wie schaffen wir es, Apothekerinnen und Apotheker von unnötiger Bürokratie zu entlasten?

Denn eines hat mir das Apothekenpraktikum des Sächsischen Apothekerverbandes im vergangenen Jahr sehr deutlich gezeigt:

Apothekerinnen und Apotheker wollen ihre Zeit für Patientinnen und Patienten einsetzen – nicht für immer neue Nachweis-, Dokumentations- und Berichtspflichten.

 

Deshalb fordern wir bessere digitale Kommunikationswege zwischen Behörden und Apotheken, weniger Bürokratie und eine stärkere Einbindung der Apotheken in Prävention, Aufklärung und Gesundheitsförderung.

 

Meine Damen und Herren,

auf Bundesebene wurden inzwischen neue Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Apothekenversorgung geschaffen. Das sind gute Maßnahmen dabei. Die Herausforderungen vor Ort werden dadurch jedoch nicht automatisch gelöst.

 

Die Frage, wie die Versorgung in Sachsen künftig organisiert, vernetzt und gesichert werden soll, bleibt eine Aufgabe des Freistaates.

 

Und genau hier erwarten wir mehr Engagement von CDU und SPD.

Wer heute die Bedeutung der Apotheken hervorhebt, muss sich auch fragen lassen, warum es so lange gedauert hat, bis dieses Thema überhaupt auf die politische Tagesordnung gekommen ist.

Warme Worte reichen nicht.

Apotheken brauchen verlässliche Perspektiven.

Apotheken brauchen Planungssicherheit.

Und Sachsen braucht endlich eine Strategie für die Arzneimittelversorgung.

 

Genau dafür steht unser Antrag. Wir freuen uns, dass CDU und SPD dem Konsultationsverfahren zugestimmt haben und hoffen, dass wir damit schneller zum Ziel kommen als beim Antrag der Linken.

 

Vielen Dank!