Datum: 25. Juni 2026

Abschaffung Landesamt Archäologie: Es wird nicht nur komplizierter, es wird dysfunktional

Redebeitrag der Abgeordneten Dr. Claudia Maicher (BÜNDNISGRÜNE) zu TOP 1, Aktuelle Debatte „Historisches Erbe bewahren – keine Zerschlagung von Denkmalschutz und Archäologie in Sachsen!“ der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion

30. Sitzung des 8. Sächsischen Landtags, Donnerstag, 25.06.2026, TOP 1

– Es gilt das gesprochene Wort – 

Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir haben in der Politik oft unterschiedliche Auffassungen. Das ist ok. Aber es gibt Dinge, da sollte man sich einfach an den Sachverstand halten, bevor man sich verrennt und die Kurve nicht mehr kriegt. Dazu zähle ich eindeutig den Plan, die Archäologie in Sachsen zu zerschlagen.

Auch das Landesamt für Archäologie soll der Landesdirektion einverleibt werden. Nur hängt da das smac, das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz dran. Weil eine Behörde kein Museum betreiben kann, wird es zu den Staatlichen Kunstsammlungen geschoben. Ganz ehrlich, das ist Unsinn im Quadrat! Da wird etwas zusammengepresst, was nicht zusammen gehört, und extra dafür etwas gut Funktionierendes auseinandergerissen. Das schlägt Wellen in der Fachöffentlichkeit, die Stellungnahmen sprechen Bände. Diese vielstimmige Kritik ist keine Veränderungsresistenz. Die Fachleute sind zutiefst entsetzt.

Schauen wir auf die Sachlage:

Was kann man überhaupt einsparen? Bei Standorten und Infrastruktur: nichts. Beim Personal? Da wäre klassisch die Frage, ob man Öffentlichkeitsarbeit, Technik oder IT gemeinsam nutzt. Funktioniert das, wenn die bisherigen Stellen voll ausgelastet sind? Das wird eher ein Verschiebebahnhof ohne Effizienzgewinn.

Dann wenigstens Entbürokratisierung? Wohl eher das Gegenteil. Es wird nicht nur komplizierter, es wird dysfunktional: Wird der Staatsbetrieb LfA zu einem Behördenteil degradiert, sind wissenschaftliche Arbeit und Vollzug in einer Hand. Das ist rechtlich fraglich. Die Unabhängigkeit der Forschung und Beurteilung der Schutzwürdigkeit von archäologischen Denkmalen steht auf dem Spiel in einer politikgesteuerten Behörde. Ich habe große Zweifel, dass die Dienst- und Fachaufsicht des SMKT in einer Abteilung der Landesdirektion da hilft. Die Entscheidungen werden auf jeden Fall verkompliziert.

Ein Hauptproblem ist, dass entweder das LfA oder das smac den direkten Zugang zur Sammlung verliert. Entweder muss das LfA Unterlagen und Funde abgegeben, kann sie nicht mehr selbstverständlich für Forschung und Vermittlung nutzen. Oder das smac verliert die enge Zusammenarbeit mit den Leuten des LfA bei Restaurierung, Konservierung und Ausstellungen. Ersatzweise müsste die beidseitige Nutzung aufwendig ressortübergreifend koordiniert werden. Das werden Doppelstrukturen und keine Verwaltungsvereinfachung!

Auch sonst erfordert die Eingliederung des smac in die SKD eine umfassende und teure Strukturumstellung. Es müsste gemeinsam etwas Neues entstehen. Inklusive einer neuen Markenbildung, wo doch das smac schon ein markantes Profil hat.

Das große Problem neben den unnötigen Kosten und Verrenkungen ist der willentliche Rückbau von Errungenschaften. Die Eigenständigkeit des LfA mit dem smac sorgt für fachliche Autonomie und einen musealen Leuchtturm. Die Zerschlagung bedeutet eine Schwächung der Archäologie. Sie missachtet das hohe öffentliche Interesse, den Wert für regionale Identitätsbildung, Tourismus, historische Bildung und ehrenamtliches archäologisches Engagement.

Ich sehe hier keine nennenswerten Vorteile, nur hohe Gesamtkosten – finanziell wie gesellschaftlich.

Die Staatsregierung will hier um jeden Preis die Anzahl der eigenständigen Einrichtungen verringern, um sich für das mutige Handeln selbst auf die Schulter zu klopfen. Aber wenn Sie das hier durchziehen, wird das als großer Fehltritt in die Geschichte eingehen. Das Erschreckende dabei ist der Umgang mit fachlichen Einwänden. Der Prüfauftrag muss doch von Anfang auf Ignoranz getrimmt gewesen sein, sonst gäbe es nicht diesen Beschluss und erst danach setzt man sich mit den Details auseinander.

Das ist doch nicht mehr rational. Da kommt irgendwo einer auf eine fixe Idee und dann ziehen das alle durch? Das klingt nicht nach guter Verwaltungsarbeit im Freistaat Sachsen, das klingt nach einem Feldzug.

Und wenn wir schon über Geschichte reden: Ist der Staatsregierung eigentlich aufgefallen, dass die Zerschlagung genau in dem Jahr 2029 besiegelt wäre, in dem die Landesausstellung die sächsische Geschichte auf einem ganz neuen Niveau präsentieren soll?

Nehmen Sie sich selbst doch mal ernst und geben Sie der Vernunft noch eine Chance. Wenn die Pro- und Contraliste so dermaßen Überhang beim Contra hat, dann erwarte ich von einem Fachressort kein „Augen zu und durch“ sondern ein Stoppschild.