Steigende Energiekosten — Löser: Strompreis hängt von Preispolitik und Energiemix ab
Redebeitrag des Landtagsabgeordneten Thomas Löser (BÜNDNISGRÜNE) zum Antrag der AfD-Fraktion: „Kostenexplosion durch gescheiterte Energiepolitik in Deutschland. Was nun?“
27. Sitzung des 8. Sächsischen Landtags, Donnerstag, 26.03.2026, TOP 1
– Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete,
„Kostenexplosion durch gescheiterte Energiepolitik“ – Ja was nun, Kollegen von der AfD? Eine Kostenexplosion, die hat es wie der Titel der Aktuellen Debatte sagt gegeben und die hat viel mit wirklichen Explosionen zu tun. Und zwar mit den Explosionen in Folge des Angriffskrieges von Russland gegen die Ukraine im Jahr 2022. 2023 stiegen in Folge des Krieges die Energiepreise in Deutschland auf ein Maximalhoch von 47 Cent/kWh. Stand Anfang 2026 sind sie auf 37 Cent/kWh gesunken. Insgesamt ist es aber richtig, dass wir in Deutschland hohe Energiepreise im europäischen Vergleich haben. Und damit Sie uns nicht nur was vom Pferd erzählen, schauen wir uns die Sache mal genauer an.
Zuerst behauptet die AfD ja immer, weil wir so viele Erneuerbare Energien im Netz haben ist Energie in Deutschland besonders teuer. Dann müsste es ja in Ländern die mehr erneuerbare Energien im Netz haben noch viel teurer sein, oder?
Und die zweite Erzählung ist ja die vom Deutschen Sonderweg bzw. Irrweg innerhalb Europas. Es dürfte also kein Land in Europa geben, was mehr Erneuerbare im Netz hat, ja?
Was sind die Fakten:
Anteil der Erneuerbaren Energien in Norwegen 99%, Dänemark 80%, Schweden 77%, Portugal 73%, Griechenland 66%, Spanien 64%, jetzt kommt erst Deutschland mit 55%. Also ein Sonderweg ist das jetzt nicht. Es gibt innerhalb Europas eher Länder, die mehr auf erneuerbare Energien setzen und Länder die eher auf fossile Energien und Kernkraft setzen, weil die ja als emissionsfreie Energie gezählt wird.
Jetzt zu den Preisen, wenn es so ist, dass die erneuerbaren Energien die Preistreiber sind, dann müssten die ja in den Ländern mit viel Erneuerbaren Energien am höchsten sein. Richtig? Wie sieht es aus: Norwegen 20 Cent, Schweden 27 Cent, Portugal 24 Cent, Griechenland 23 Cent, Spanien 26 Cent. Deutschland und Dänemark sind auf der Seite der Erneuerbaren die teuren Länder mit ca. 35 Cent. Und der Vergleich wird natürlich erst vollständig, wenn man ein Land wie Frankreich mit viel Kernkraft dazu nimmt. Da liegt der Preis nur mit erheblichen Subventionen seitens des französischen Staates bei 23 Cent. So, und was bedeutet das jetzt, denn die Solarmodule und Windkraftanlagen und Speicher haben ja auf dem Weltmarkt vergleichbare Preise? Es bedeutet, dass der Strompreis ganz erheblich von der Preispolitik und dem Energiemix im jeweiligen Land und den auf Strom erhobenen Abgaben oder Subventionierungen abhängt und nicht einzig und allein von der technischen Art der Stromerzeugung mittels Erneuerbaren oder Fossilen.
Da könnten sie ansetzen. Und da hat ja der bei ihnen sehr beliebte Kollege Habeck schon als Wirtschaftsminister einen Industriestrompreis vorgeschlagen und wir Grüne fordern auf Bundesebene die Absenkung der Stromsteuer. Das Scheitern, das hier lauthals proklamiert wird, und was wir alle heute teuer bezahlen, liegt also nicht an „zu viel Energiewende“, einer vermeintlichen „Abkehr vom russischen Erdgas“ oder dem Atomausstieg. Es liegt daran, dass wir uns über Jahrzehnte sehenden Auges in eine massive Abhängigkeit von fossilen Importen begeben haben und dass es seit Jahrzehnten einen Schlingerkurs in der Deutschen Energiepolitik gibt. Die fleischgewordene politische Verkörperung dieser Geisteshaltung ist ja der Kollege Söder aus Bayern, einmal ganz entschieden raus aus der Kernkraft und Bäume umarmen und dann ein bissel später, rein in die Kernkraft und Grüne hassen.
Unser lieber Ministerpräsident ist da ja auch nicht weit weg. Wenn der Söder in eine Weißwurst beißt und von vermeintlicher Technologieoffenheit und Kernkraft redet, kann man sicher sein, dass unser sächsischer MP Kretschmer kurz darauf irgendwo verkündet, dass Kernkraft und Braunkohle eine tolle Sache sind. Und wenn Sie von der AfD dann noch von neuen Atomkraftwerken träumen, dann schlagen Sie endgültig jede wirtschaftliche Vernunft in den Wind, denn Atomstrom ist die teuerste Art, Wasser heiß zu machen – nur möglich durch gigantische staatliche Subventionen, für die der Steuerzahler am Ende zahlen müsste. Wer den Menschen erzählt, wir könnten einfach weiter fossile Energien verbrennen, ohne dass die Preise explodieren, der lügt ihnen ins Gesicht. Mal abgesehen von den Klimafolgeschäden die wir alle ausbaden werden.
Wer sich als Verteidiger der „kleinen Leute“ aufspielt und ihnen gleichzeitig weiterhin fossile Ölheizungen und Verbrenner einredet, der bastelt eine ökonomische Zeitbombe für unser aller Geldbeutel. Solar schlecht reden, Windkraft schlecht reden Wärmepumpen schlecht reden, Elektroautos schlecht reden.
Das macht wirklich schlechte Laune.
All dieses Sachen setzen sich heute schon durch und werden sich weiter durchsetzen. Einfach weil es sich am Ende rechnet. Super Technologien, wesentlich entwickelt in Deutschland, darauf könnten sie doch mal stolz sein, das waren Leute die haben technologieoffen UND ökologisch gedacht.
Meine Damen und Herren, wir alle wissen, unser Energiesystem wird langfristig auf günstigen Erneuerbaren Energien ruhen. Ergänzt durch intelligente Netze, durch Speicher und eine Flexibilisierung des Verbrauchs.
Und ja – dieser Netzausbau kostet Geld, aber das sind langfristig gut angelegte Investition. Wirkliche Zukunftsinvestitionen. (Sie von der AfD können verzweifelt versuchen, dieses Rad der Zeit zurückzudrehen. Aber am Ende bleiben fossile Energien der Inbegriff von Instabilität – siehe Iran – und Kostenexplosion.) Für uns ist deshalb klar: Schluss mit der Angstmacherei vor heimischen Erneuerbaren! Wir investieren in die Freiheit, statt uns an Atommüll und dem Verbrennen von fossilen Rohstoffen festzuklammern.
Vielen Dank!