Datum: 27. März 2026

Zuckerabgabe im Bundesrat: Sachsen muss unterstützen, denn Prävention spart Milliarden

Heute wird im Bundesrat über die Initiative Schleswig-Holsteins (Drs. 145/26) zur Reduzierung des Zuckergehalts in Erfrischungsgetränken beraten. Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag fordert die Staatsregierung auf, die Initiative im Bundesratsverfahren zu unterstützen. Die Initiative zielt auf eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke sowie weitere Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Wolfram Günther, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, befürwortet den Vorstoß aus Schleswig-Holstein:

„Selbst unionsgeführte Länder erkennen, dass der Markt beim Zucker nicht funktioniert. Eine Abgabe setzt genau dort an, wo der größte Effekt entsteht – bei den Rezepturen. Hersteller reduzieren den Zuckergehalt, um Abgaben zu vermeiden. Das ist ein effizienter, marktwirtschaftlicher Hebel.

„Ein hoher Zuckerkonsum gilt als wesentlicher Risikofaktor für Erkrankungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass bereits geringe Reduktionen des täglichen Zuckerkonsums langfristig erhebliche gesundheitliche Effekte haben können. Prävention spart Geld. Jeder vermiedene Krankheitsfall entlastet das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft. Wer heute in bessere Produkte investiert, vermeidet morgen milliardenschwere Folgekosten.

 

Thomas Löser, gesundheitspolitischer Sprecher der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion im Sächsischen Landtag, ergänzt:

„Zuckerhaltige Getränke laufen im Alltag einfach mit – schnell gekauft, schnell getrunken, schnell vergessen. Genau darin liegt das Problem. Flüssiger Zucker rutscht nebenbei rein, sättigt nicht und summiert sich Tag für Tag zu Mengen, die Übergewicht und Folgeerkrankungen auch bei unseren Kindern und Jugendlichen anheizen. Die Rechnung kommt dann später in Form von weniger Energie, mehr Krankheit und steigenden Kosten für alle. Eine Zuckerabgabe sorgt dafür, dass weniger Zucker in der Flasche landet. Das ist Prävention direkt im Alltag.

Gesunde Ernährungsumgebungen helfen gerade den Menschen, die im Alltag wenig Zeit haben, sich durch Nährwerttabellen zu arbeiten. Wenn die bessere Wahl zur naheliegenden wird, dann ist das echte Gerechtigkeit. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Abgaben vor allem über die Veränderung von Rezepturen wirken und so strukturelle Verbesserungen im Angebot erreicht werden können. Weltweit existieren bereits in zahlreichen Ländern vergleichbare Regelungen.“

 

Hintergrund

Ein hoher Zuckerkonsum erhöht nachweislich das Risiko für Erkrankungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes; rund 60 % der Erwachsenen in Deutschland sind übergewichtig. Ein wesentlicher Treiber ist der Konsum zuckerhaltiger Getränke: Im Schnitt werden etwa 26 g Zucker täglich allein über Getränke aufgenommen. Forschung und internationale Erfahrungen zeigen, dass Abgaben auf stark zuckerhaltige Getränke vor allem über einen Mechanismus wirken: Hersteller senken den Zuckergehalt ihrer Produkte, um Abgaben zu vermeiden. Der zentrale Effekt liegt damit in besseren Produkten. Modellierungsstudien gehen davon aus, dass bereits eine Reduktion von 2 bis 3 g Zucker pro Tag langfristig erhebliche gesundheitliche Effekte haben kann. Über einen Zeitraum von 20 Jahren könnten so rund 250.000 Diabetesfälle verhindert werden. Damit verbunden sind Einsparungen in Milliardenhöhe sowohl im Gesundheitssystem als auch durch geringere volkswirtschaftliche Folgekosten. Fachleute bewerten eine Zuckerabgabe daher als evidenzbasierten Baustein wirksamer Prävention, der strukturelle Fehlanreize im Markt korrigiert.

 

>> Tagesordnungspunkt 58 „Entschließung des Bundesrates „Gesundheit von Kindern und Jugendlichen schützen: Reduzierung des Zuckergehaltes von Erfrischungsgetränken und Einführung einer gesetzlichen Altersgrenze für den Verkauf von Energy-Drinks“

Der Antrag wird heute im Bundesrats-Plenum vorgestellt, in die Ausschüsse überwiesen und in der weiteren Sitzung stimmen die Länder dann darüber ab, ob sie die Entschließung fassen.

Hinterlasse einen Kommentar

6 + neunzehn =

Um ein Kommentar zu verfassen, müssen Sie unsere Datenschutzbedingungen akzeptieren.