Stolpersteine in Heidenau: „Das ist eine Blamage für Sachsen“
Thomas Löser fordert Heidenauer Stadtrat auf, Entscheidung gegen weitere Stolpersteine zu revidieren
Der Heidenauer Stadtrat hat beschlossen, die Verlegung weiterer Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich künftig abzulehnen. Der Antrag wurde von Stadträten von AfD, CDU und Bürgerbündnis eingebracht. In geheimer Abstimmung stimmten 13 Stadträte dafür, sechs dagegen, eine Person enthielt sich.
Dazu erklärt Thomas Löser, Dresdner Abgeordneter und Sprecher für Landesentwicklung der BÜNDNISGRÜNEN-Fraktion im Sächsischen Landtag:
„Diese Entscheidung ist eine Blamage für Sachsen. Eine sächsische Kommune verhindert eine Form des Gedenkens, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der geschichtsrevisionistische Angriffe der AfD in unser aller Alltag immer lauter werden.“
„Stolpersteine und Stolperschwellen gibt es inzwischen in über 30 europäischen Ländern. Sie sind dezentrale Mahnmale und erinnern vor allem an die letzten frei gewählten Wohn- oder Wirkungsorte von Menschen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden. Dass eine sächsische Kommune diese Form des Gedenkens zukünftig aktiv verhindern will, wäre ein Armutszeugnis für unseren Freistaat.“
„Besonders unerträglich ist, dass sich die CDU in Heidenau bei dieser Frage mit der AfD zusammentut. Gerade angesichts der jüngsten Wahlergebnisse in ostdeutschen Bundesländern darf die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden. Für den Umgang mit Erinnerungskultur gibt es mehr als genug fachliche Expertise. Ich bitte den Heidenauer Stadtrat deshalb inständig, dieses Fachwissen zu nutzen, die Entscheidung noch einmal zu beraten und zu revidieren. Es geht um mehr als Stolpersteine: Es geht um unsere historische Verantwortung und um eine lebendige Erinnerungskultur in Sachsen. Im Interesse des Freistaats sollte Heidenau hier einen anderen Weg einschlagen.“