Datum: 05. Oktober 2026

Anhörung zu eigenständigem Promotionsrecht für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften – BÜNDNISGRÜNE: Es ist höchste Zeit umzudenken!

Der Wissenschaftsausschuss des Sächsischen Landtags hat heute (05.10.2026) Sachverständige zum BÜNDNISGRÜNEN Antrag „Wachstumsbremse für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Sachsen lösen – Eigenständiges Promotionsrecht für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) einführen“ (Drs. 8/7203) angehört.

Dr. Claudia Maicher, hochschulpolitische Sprecherin der BÜNDNISGRÜNEN Landtagsfraktion, betont nach der Anhörung:

„Sachsen droht ohne eigenständiges Promotionsrecht für die HAW im bundesweiten Wettbewerb um Forschung, Innovation und Fachkräfte zurückzufallen. Das hat die heutige Anhörung sehr klar bestätigt. Deshalb fordere ich das Wissenschaftsministerium auf, jetzt nicht mehr bei Lösungen der Vergangenheit zu beharren und konkrete Modelle für die Einführung zu prüfen. Es gilt, Sachsen strategisch gut für die Zukunft aufzustellen. Wer es mit Innovation, Fachkräftesicherung und wirtschaftlicher Entwicklung ernst meint, muss zupacken und Wachstumsbremsen lösen.“

Wie der Sachverständige Prof. Dr. Christian Facchi, Leiter der Doctoral School der Technischen Hochschule Ingolstadt und langjähriges Mitglied des Wissenschaftsrates, ausführte, hat in allen anderen Bundesländern ein Umdenken stattgefunden. Ziel war die Stärkung anwendungsorientierter Promotionen mit hohen Qualitätsstandards, die durch die gestiegene Forschungsstärke an HAW garantiert wird. Dadurch wird der Transfer der Forschungsstärke der HAW in die wirtschaftliche Stärke der Länder angetrieben. Das besondere Potential der HAW liegt in ihren vielfältigen Verbindungen zu Industrie und Unternehmen. Sachsen sollte diese Chancen ebenfalls nutzen, auch um im bundesweiten Wettbewerb kein neues Ost-West-Gefälle zu erzeugen.

Prof. Dr.-Ing. Alexander Kratzsch, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz und stellvertretender Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz Sachsen (LRK) erläuterte den Mehrwert für die wirtschaftliche Entwicklung in der Fläche. Das eigenständige Promotionsrecht ermöglicht mehr regionalen Unternehmen eine Zusammenarbeit mit HAW bei Forschung und Entwicklung. Das kompensiert deren fehlende Forschungsabteilungen. Es können mehr Promovierende in Unternehmen wechseln oder eigene Unternehmen ausgründen, vor allem auch in ländlichen Regionen. Diese hochqualifizierten Fachkräfte und Gründenden gehen derzeit häufig an die Großstädte oder andere Bundesländer verloren. Das schwächt insbesondere auch die Umsetzung des Masterplan Südwestsachsen. Es braucht das Promotionsrecht als Werkzeug, um die Herausforderungen der Transformation und Fachkräftesicherung erfolgreich bewältigen zu können.

Ulrich Müller vom CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) kritisierte die Stellungnahme von Staatsminister Gemkow zu unserem Antrag deutlich. Sie spiegelt seiner Ansicht nach den Diskussionsstand vor 10 Jahren wieder. Eine Gefährdung der bewährten Differenzierung im Hochschulssystem sei außerhalb von Sachsen kein Thema mehr. Alle Länder zeigen, dass niemandem etwas weggenommen wird. Zugleich sind kooperative und auf Zuwahl beruhende Promotionen kein Ersatz für ein eigenes Promotionsrecht. Unter anderem weil für viele Promotionsvorhaben keine fachliche Passfähigkeit an den Universitäten besteht.

 

Weitere Informationen

 

>> BÜNDNISGRÜNER Antrag „Wachstumsbremse für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Sachsen lösen – Eigenständiges Promotionsrecht für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) einführen“ (Drs. 8/7203)

 

>> Stellungnahme des Sächsischen Wissenschaftsministers Sebastian Gemkow zum Antrag

 

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