Datum: 02. Juli 2023

Geschlechtergerechte Sprache am Theater Plauen-Zwickau: Sprachverbote sind Angriff auf Grundrecht der Kunstfreiheit

Mit seinem Beschluss am 29.6.2023 versucht der Stadtrat der Stadt Zwickau die Verwendung geschlechtergerechter Sprache am Theater Plauen-Zwickau zu unterbinden. Ein entsprechender Antrag wurde von der AfD eingebracht und von der Mehrheit des Stadtrates mit Änderungen angenommen. Darin wird die Oberbürgermeisterin beauftragt, in der Gesellschafterversammlung des Theaters für ein Verbot geschlechtergerechter Schreibweisen, etwa im Werbung und im Programmheft zu sorgen.

Dr. Claudia Maicher, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, erklärt dazu:

„Ich bin entsetzt, dass sich CDU und Teile der SPD im Zwickauer Stadtrat von der AfD treiben lassen und sich deren Antrag letztlich selbst zu eigen machten. Sie haben wissentlich einen harten Angriff auf das Grundrecht der Kunstfreiheit zugestimmt. Ein Theater muss unabhängig von Staat und Politik seine Angebote und auch seine öffentliche Kommunikation gestalten können. Von Seiten der Stadt Zwickau soll dies nun in Frage gestellt werden.“

„Als Demokratinnen und Demokraten muss man es ertragen, wenn anders mit Sprache umgegangen wird, auch wenn das einem persönlich und einem Teil der Menschen missfällt. Sprachkritik ist legitim, ein Sprachverbot jedoch, wie es hier angestrebt wird, sendet ein verheerendes Signal weit über den Kulturraum hinaus. Was ist das für ein Freiheitsverständis? Hier wird rigide gegen Andersdenkende vorgegangen, die nichts anders tun, als mit ihrer Kommunikation als Kulturanbieter, Botschafter einer Region und auch als Arbeitgeber auf junge und weltoffene Menschen zuzugehen, für die Geschlechtergerechtigkeit ein hoher Wert ist.“

Für die Zukunft des Theaters ist das Abstimmung ein Schlag ins Gesicht. Grundwerte der Demokratie wirft die zustimmende Mehrheit entweder aus Angst vor der Stimmungsmache der AfD oder vor lauter persönlichem Unmut über den gesellschaftlichen Wandel über Bord. Dem widersprechen wir BÜNDNISGRÜNE in aller Deutlichkeit!

2 Comments

  1. Manuela (Pronomen: sie) 4. Juli 2023 at 10:13 - Reply

    Ich persönlich finde es gut, dass das Theater nicht mehr gendern soll. Als aus Steuergeldern aller Bürger subventionnierte Institution spricht es eh‘ schon nur eine elitäre Minderheit an. Mit dem Gendern verscherzt man sich es dann auch noch mit Teilen der großen potentiellen Zielgruppe der Nicht-Besucher. Die Kunstfreiheit auf der Bühne muss natürlich gewährleistet sein, da mag so viel gegendert werden, wie es der Regisseur für richtig hält, aber die Kommunikation abseits der Bühne hat aus meiner Sicht nichts aber auch gar nichts mit Kunstfreiheit zu tun.

    • Max 4. Juli 2023 at 22:09 - Reply

      So eine Aussage finde ich etwas schwierig. Meiner Meinung nach sollte es jeder Firma und Institution möglich sein, Sprache so zu nutzen, wie sie es für richtig und zu ihren Zwecken passend halten. Man muss das nicht gut oder passend finden, aber erlaubt gehört es unsere deutsche Sprache so zu nutzen, wie auch immer man es für richtig hält! Klar kann man darüber argumentieren, ob es die Zielgruppe verfehlt, aber das sollte mit den Personen die da arbeiten bzw. sich engagieren direkt getan werden, und nicht von oben herab aufgezwungen werden. (Dass sowas von den Verbotsparteien CDU und AFD kommt war ja mal wieder klar)

      Und das Verbot einer bestimmten Ausdrucksweise, die niemanden schadet, erinnert mich doch etwas zu sehr an 1984.

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