Sturm von Rathen: Klimawandel wartet nicht auf weitere Abstimmungsrunden der Staatsregierung
Reichlich drei Monate nach dem verheerenden Unwetter vom 31. Juli sind Aufräumarbeiten sowie der Hubschraubereinsatz rund um die Felsenbühne Rathen abgeschlossen. Etwa 2.000 Festmeter Holz wurden aus den von Sturmschäden heimgesuchten Arealen ausgeflogen. Für die Unternehmen, die in der Nationalparkregion vom Tourismus leben, ist der Schaden damit längst nicht behoben. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage des tourismuspolitischen Sprechers der BÜNDNISGRÜNEN-Landtagsfraktion, Thomas Löser, hervor.
Besonders hart getroffen hat es den Amselsee. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte bei seinem Besuch am Tag nach dem Sturm vor Ort Aufbauhilfe zugesagt. Die Antwort der Staatsregierung macht nun deutlich, dass es für dieses Versprechen kein Instrument gibt.
Weil die Staatsregierung den Sturm „nicht als Elementarschadensereignis von überörtlicher Bedeutung bzw. Naturkatastrophe eingestuft“ hat, gehen betroffene Betriebe leer aus. Ein Programm, das Unternehmen vor Verlusten durch Unwetter schützt, sei „im geltenden Förderinstrumentarium des Freistaates Sachsen nicht vorhanden“. Der Bootsbetrieb am Amselsee ist nach Angaben des Ministeriums für das restliche Jahr „komplett zum Erliegen gekommen“, den Wiederaufbau müssen die Eigentümer in Eigenregie stemmen. Eigene Zahlen zu den wirtschaftlichen Folgen hat die Staatsregierung nicht und verweist stattdessen auf Einschätzungen des Tourismusverbands.
Thomas Löser, tourismuspolitischer Sprecher und zuständiger Abgeordneter für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, betont:
„Sachsenforst hat schnell und gut gearbeitet, die Wege sind längst wieder offen. Das Signal an die Familienbetriebe am Amselsee und in Rathen ist trotzdem bitter: Wer nicht unter die Katastrophenschwelle fällt, steht mit seinem Schaden allein da. Solche räumlich eng begrenzten Extremereignisse werden mit der Klimakrise häufiger. Die Staatsregierung ist gefordert, auf diese neue Realität zu reagieren. Zum Beispiel durch die Vorlage der Klimaanpassungsstrategie des Landes, auf die wir immer noch warten. Der Klimawandel wartet nicht auf weitere Abstimmungsrunden in der Staatsregierung.“
„Die Sächsische Schweiz lebt vom Naturerlebnis und dieses wird vom Klimawandel zunehmend bedroht. Wer hier erst nach dem Schaden über die Folgen redet, zahlt am Ende mehr“, so Löser. „Vorsorge statt Reparatur muss auch im Tourismus gelten.“
Weitere Informationen:
>> Kleine Anfrage „Extremwetter in der Sächsischen Schweiz: Folgen für Tourismus, Betriebe und Wegeinfrastruktur“ des Abgeordneten Thomas Löser (Drs 8/8215)