Datum: 01. Juni 2026

Weniger Tempo auf Bahnstrecke Berlin-Dresden nicht hinnehmbar

Laut einem aktuellen Pressebericht der Sächsischen Zeitung prüft die Deutsche Bahn, den Ausbau der Bahnstrecke Dresden–Berlin nur noch für 160 statt 200 km/h umzusetzen.

Dazu erklärt Katja Meier, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Wer die verbliebenen Abschnitte der Strecke Dresden–Berlin jetzt nur noch für Tempo 160 plant, zementiert die langsame Anbindung Dresdens an Berlin auf Jahrzehnte. Das wäre kein pragmatischer Kompromiss, sondern ein handfester Standortnachteil für Dresden, Sachsen und die gesamte Region. Die Strecke Dresden–Berlin ist weit mehr als eine Verbindung zwischen Sachsen und der Hauptstadt. Sie ist zentral für den Fernverkehr, für den Deutschlandtakt und für die europäische Achse weiter nach Prag. Während Tschechien seinen Streckenabschnitt für bis zu 320 km/h plant, darf Deutschland diese Verbindung nicht mit einer Sparvariante ausbremsen. Wer hier kürzt, spart am Zusammenwachsen Europas.

Die im Deutschlandtakt vorgesehenen Fahrzeiten von rund 78 Minuten zwischen Berlin Hauptbahnhof und Dresden Hauptbahnhof können nur mit einem Ausbau auf 200 km/h erreicht werden.

Tempo 200 ist kein Luxus. Es ist die Voraussetzung dafür, dass die versprochenen Fahrzeiten überhaupt erreicht werden können. Von 125 Kilometern Ausbaustrecke sind 80 Kilometer bereits fertiggestellt. Von den verbliebenen 45 Kilometern stehen die Planfeststellungsverfahren auf 25 Kilometern kurz vor dem Abschluss. Jetzt bei den verbleibenden Abschnitten den Rotstift anzusetzen, würde aus einem zentralen Ausbauprojekt ein teures Stückwerk machen.“

Katja Meier kritisiert darüber hinaus die ohnehin schon jahrelangen Verzögerungen beim Ausbau. Nach aktuellen Berichten wird die vollständige Inbetriebnahme der noch fehlenden Abschnitte erst 2033 erwartet.

„Erst verzögert sich das Projekt um Jahre, jetzt soll auch noch am Ausbaustandard gespart werden. Das ist den Fahrgästen in Sachsen nicht zu vermitteln.“

Meier fordert Bund, Deutsche Bahn und auch die sächsische Staatsregierung auf, am Ausbauziel festzuhalten:

„Sachsen darf eine reduzierte Ausbauvariante nicht einfach hinnehmen. Dresden braucht eine schnelle, leistungsfähige und zukunftsfeste Schienenverbindung nach Berlin. Der Ausbau auf 200 km/h darf nicht still und leise beerdigt, sondern muss spätestens bis 2033 vollständig realisiert werden.“

 

Hintergrund:

Die Debatte betrifft insbesondere den Umgang mit Bahnübergängen entlang der Strecke. Nach bisherigen Informationen steht auf sächsischer Seite vor allem der Bahnübergang in Zabeltitz im Fokus. Weitere betroffene Übergänge liegen in Brandenburg, u.a. rund um Zossen, wo bereits einzelne Übergänge mit hohem Aufwand durch Überführungen ergänzt worden sind. Viele Kommunen entlang der Strecke haben fest damit gerechnet, dass bestehende Bahnübergänge ersetzt werden. Gleichzeitig müssen Eingriffe vor Ort sorgfältig geprüft und Interessen der Anwohnerinnen und Anwohner berücksichtigt werden. Aus Sicht der BÜNDNISGRÜNEN Fraktion im Sächsischen Landtag braucht es nun Transparenz darüber, welche Ausbauvarianten geprüft werden, welche Auswirkungen diese auf Fahrzeiten und Leistungsfähigkeit hätten und welche Folgen sich daraus für den Deutschlandtakt ergäben.

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