Datum: 28. Oktober 2026

Sichere Geburt statt Kreißsaalschließungen: Sachsen braucht einen klaren Plan

Die Geburtshilfe in Sachsen steht zunehmend unter Druck. Nach der drohenden Schließung der Geburtshilfe in Kamenz steht nun auch der Kreißsaal in Zschopau vor dem Aus. Immer weniger Geburtsstationen bedeutet längere Wege für Schwangere und die Gefährdung der wohnortnahen Versorgung. Mit einem gemeinsamen Antrag von CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke (Drs. 8/8745) soll nun eine landesweite Gesamtstrategie zur Sicherung der Geburtshilfe entwickelt werden. Grundlage dafür ist der bereits im Juni von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachte Antrag „Sichere Geburt in Sachsen gewährleisten“ (Drs. 8/7251).

Dazu erklärt Franziska Schubert, Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

„Kamenz, Zschopau und die Schließung vieler weiterer Kreißsäle im ländlichen Raum zeigen: Wir dürfen nicht länger zuschauen, wie die Geburtshilfe unter Kostendruck immer weiter ausgedünnt wird. Wenn Geburtsstationen schließen, werden die Wege für Schwangere länger – und die wohnortnahe Versorgung gerät in Gefahr. Wir brauchen endlich eine vorausschauende Planung, die Versorgungslücken verhindert, statt immer erst dann zu reagieren, wenn die nächste Schließung droht. Eine sichere Geburt darf nicht davon abhängen, wo eine Frau in Sachsen lebt.“

„Wer möchte, dass junge Familien im ländlichen Raum bleiben oder sich dort niederlassen, muss auch für eine gute Gesundheitsversorgung sorgen. Eine wohnortnahe Geburtshilfe und die Betreuung durch Hebammen von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett sind unverzichtbar. Deshalb müssen wir die Arbeitsbedingungen der Hebammen verbessern, ihre Expertise stärken und neue Versorgungsangebote ermöglichen. Die Bedürfnisse von Frauen und Neugeborenen müssen im Mittelpunkt stehen – nicht allein die Wirtschaftlichkeit einzelner Krankenhausstandorte.“

Der gemeinsame Antrag sieht vor, bis Ende 2026 eine Arbeitsgruppe einzurichten, bis Ende März 2027 erste Ergebnisse vorzulegen und bis Ende 2027 eine Gesamtstrategie für die Geburtshilfe in Sachsen zu erarbeiten. Damit wird die Forderung nach einer landesweiten Strategie, die die BÜNDNISGRÜNEN bereits im Juni in den Landtag eingebracht haben, zum gemeinsamen politischen Auftrag. Franziska Schubert betont zugleich, dass die Einigung nur ein erster Schritt sein kann:

„Es ist ein wichtiger Erfolg, dass diese gemeinsame Initiative jetzt auf den Weg gebracht wird. Bei der Erreichbarkeit der Geburtshilfe und beim Zeitplan hätten wir uns allerdings mehr Verbindlichkeit gewünscht. Unser ursprünglicher Antrag sah vor, dass Geburtshilfe innerhalb von maximal 30 Minuten erreichbar sein soll. An diesem Ziel halten wir fest. Die Staatsregierung muss ihrer Verantwortung für die Krankenhausplanung gerecht werden und dafür sorgen, dass weitere Versorgungslücken gar nicht erst entstehen. Sachsen braucht eine verlässliche Perspektive für die Geburtshilfe – nicht erst die nächste Krisendebatte, wenn der nächste Kreißsaal vor dem Aus steht.“

Hintergrund:
Seit 1991 ist die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen in Sachsen von 54 auf 34 gesunken. Ausgangspunkt der Initiative der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN war die Schließung der Geburtshilfe am St. Johannes Krankenhaus Kamenz Ende Mai 2026. Der gemeinsame Antrag der Fraktionen CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke (Drs. 8/8745) baut ausdrücklich auf den zuvor eingebrachten Anträgen der GRÜNEN (Drs. 8/7251) und der LINKEN (Drs. 8/6892) auf.

>> Antrag der Fraktionen CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke „Sichere Geburt in Sachsen gewährleisten – Geburtshilfe im ländlichen Raum sichern – gemeinsam Strategien entwickeln„; Drs 8/8745

>> Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Sichere Geburt in Sachsen gewährleisten – Geburtshilfe im ländlichen Raum sichern, landesweites Gesamtkonzept entwickeln und Strukturabbau stoppen“, Drs. 8/7251

>> Antrag der Fraktion Die Linke „Hebammenversorgung sachsenweit sicherstellen“, Drs. 8/6892, Drs. 8/6892

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