Praxisforum in Hohnstein: Nationalparkregion braucht Dialog, Akzeptanz und klare Verantwortung des Freistaates
Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Nationalparkverwaltung, Kommunen, Wissenschaft, Tourismus, Naturschutz, Bürgerinitiativen und Politik haben an diesem Montag auf Einladung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag auf der Burg Hohnstein über die Zukunft der Nationalparkregion Sächsische Schweiz diskutiert. Im Mittelpunkt des Praxisforums „Nationalpark-Regionen im Dialog: Schutz, Wertschöpfung, Akzeptanz“ standen Fragen der Besucherlenkung, des Naturschutzes, der regionalen Entwicklung sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz von Entscheidungen im Nationalparkumfeld. Einigkeit bestand unter den Teilnehmenden darin, dass der Nationalpark Sächsische Schweiz ein einzigartiger Naturraum und zugleich ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die Region ist. Der Schutz dieses besonderen Lebensraums bleibt die Grundlage für seine langfristige Attraktivität und Wertschöpfung.
Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, erklärt dazu:
„Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist ein einzigartiger Naturraum und ein Schatz für ganz Sachsen. Über die beeindruckende Landschaft hinaus müssen wir vor allem die Natur selbst und den Lebensraum zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten in den Mittelpunkt stellen. Naturschutz bleibt die Grundlage dafür, dass die Region ihre besondere Anziehungskraft behält.“
„Akzeptanz entsteht dort, wo Menschen beteiligt werden und Entscheidungen nachvollziehbar sind. Deshalb brauchen wir größtmögliche Transparenz zwischen allen Beteiligten sowie einen deutlich engeren Austausch zwischen Kommunen, Nationalparkverwaltung und Staatsregierung. Nur so lassen sich Interessenkonflikte konstruktiv lösen.“
Während des Praxisforums wurde zugleich deutlich, dass insbesondere langwierige Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse bei kleineren Infrastrukturmaßnahmen in den Nationalparkgemeinden vielfach auf Unverständnis stoßen. Die Teilnehmenden warben dafür, bestehende Verfahren kritisch zu überprüfen und dort pragmatische Lösungen zu ermöglichen, wo keine erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu erwarten sind.
Gleichzeitig bestand Konsens darüber, dass die Interessen von Bewohnerinnen und Bewohnern der Region stärker von den Anforderungen des Tourismus unterschieden und beide Perspektiven bei Entscheidungen angemessen berücksichtigt werden müssen.
Thomas Löser, tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, betont:
„Die Nationalparkregion lebt vom Tourismus, aber sie lebt ebenso von den Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Deshalb müssen die Interessen von Gästen und Einheimischen stärker auseinandergehalten und gleichermaßen berücksichtigt werden. Das erhöht die Akzeptanz vor Ort und stärkt die Zukunftsfähigkeit der Region.“
„Eine intelligente Besucher- und Verkehrslenkung bleibt eine der zentralen Zukunftsaufgaben für die Sächsische Schweiz. Der aktuelle Stand ist bereits gut, doch wir brauchen weitere Verbesserungen – etwa durch klug vernetzte Mobilitätsangebote wie etwa Park-and-Ride-Systeme. Gleichzeitig muss der Freistaat seiner Verantwortung für eigene Liegenschaften und Baudenkmäler gerecht werden und deren langfristigen Erhalt sichern.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Rolle des Freistaates Sachsen. Die Teilnehmenden forderten ein klares Bekenntnis zu landeseigenen Liegenschaften und denkmalgeschützten Gebäuden in der Nationalparkregion. Diese müssten dauerhaft finanziell so ausgestattet werden, dass ihr Erhalt gesichert werden kann. Zudem wurde der Wunsch nach einem engeren und regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Behörden und Ministerien formuliert.
Die BÜNDNISGRÜNE-Fraktion im Sächsischen Landtag wird die Ergebnisse des Praxisforums in ihre weitere parlamentarische Arbeit zur Zukunft der Nationalparkregion Sächsische Schweiz einfließen lassen.
Siehe dazu auch: >> Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Nationalparkregion Sächsische Schweiz stärken: Natur schützen, regionale Wirtschaft fördern, Tourismus nachhaltig steuern“ (Drs. 8/6591)
Von Anfang an wurden von dem Konstrukt „Nationalpark“ sowohl die Natur, als auch die Menschen vor Ort verdrängt, ignoriert und geschädigt!
Was im Nationalpark geschieht ist kein Naturschutz, das ist Ignoranz gegenüber einer stark geschädigten und leidenden Natur, die aktive Hilfe benötigt, statt Ignoranz!
Die Menschen vor Ort werden aus Gier aus ihrer Heimat ausgesperrt! Parken kann man nur noch gegen Geld und das 24h durchweg … nichts ist da mit einem erholsamen Abendspaziergang oder gar Wandern. Parkplätze, die Einheimische nutzten, werden alle vernagelt … man kann die Sächsische Schweiz nun mal nicht mit Fahrrad bereisen, wie anderswo, das gibt die Topographie und das Wegenetz nicht her!
Nicht einmal eine 50€ Jahresparkkarte für Einheimische gibt es… das ist wirklich schlimm und genau das führt zu Frust und gar Hass, der politisch dann die Leute eben nicht zu fen Grünen lenkt. Ich bin Grünen-Wähler, aber mit was hier getrieben wird, sind Allmachtsphantasien, wie in einer Diktatur und das Königshaus ist hier die Nationalparkverwaltung, die das Land und die Leute in einer Diktatur versinken lässt!
Sorry, aber liebe Stadt-Grüne, ihr seid hier weit weit weg vom Bürger und leider ebenfalls weit entfernt von einem Naturschutz in einer Kulturregion mitsamt ihren Bewohnern, die alle gern die Natur erhalten würden, aber nur gegängelt und ignoriert werden. Schade!
Hallo Herr Förster, erstmal danke für Ihre ausführliche Rückmeldung, auch wenn wir an einigen Punkten unterschiedlicher Meinung sind.
Die Sächsische Schweiz ist ein großer Schatz – ökologisch wie auch wirtschaftlich durch den Tourismus. Gerade deshalb ist es wichtig, die unterschiedlichen Interessen vor Ort ernst zu nehmen.
Der von Ihnen geschilderte Unmut über den Nationalparkstatus und seine konkreten Auswirkungen im Alltag ist nachvollziehbar. Das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, den Bedürfnissen der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung – insbesondere im Tourismus – ist komplex und stellt eine echte Herausforderung dar.
Genau dieser Herausforderung müssen wir uns konstruktiv stellen.
Deshalb hat sich unsere Fraktion intensiv mit dem Thema befasst. Gemeinsam mit wichtigen Akteurinnen und Akteuren sowie Expertinnen und Experten haben wir die bestehenden Probleme analysiert und Lösungsansätze erarbeitet. Dabei haben wir insbesondere die unterschiedlichen Bedürfnisse von Besucherinnen und Besuchern sowie der Menschen vor Ort berücksichtigt.
Ein zentrales Ergebnis ist: Der Nationalparkstatus ist ein entscheidender Garant für den Schutz dieser einzigartigen Landschaft und ihrer Biodiversität. Gleichzeitig kann er – richtig ausgestaltet – die Attraktivität der Region für Gäste erhöhen, ohne zwangsläufig kommunalen Interessen entgegenzustehen.
Bezogen auf Ihre Aussagen: Besucherlenkung und nachhaltige Mobilität sind dabei zentrale Zukunftsaufgaben. Steigende Besucherzahlen erfordern intelligente Lösungen, die zugleich Anwohnerinnen und Anwohner entlasten. Dazu gehört auch, bestehende Regelungen regelmäßig zu überprüfen und praxistauglich weiterzuentwickeln.
Ebenso entscheidend ist die Zusammenarbeit vor Ort. Verlässliche Strukturen, transparente Beteiligung und ein kontinuierlicher Dialog sind die Grundlage dafür, Akzeptanz zu stärken und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Das Praxisforum und die gesammelten Ergebnisse bieten eine gute Basis, um den sachlichen Dialog fortzuführen und gemeinsam an konkreten Verbesserungen zu arbeiten. Genau das ist unser Anspruch.