Datum: 30. April 2026

Geburtshilfe in Sachsen unter Druck – Landesweites Gesamtkonzept jetzt notwendig

Die Geburtshilfe in Sachsen gerät zunehmend in eine Schieflage. Immer mehr Kreißsäle schließen, aktuell steht in Kamenz die Geburtsstation vor dem Aus. Für Schwangere bedeutet das längere Wege, weniger Wahlfreiheit und wachsende Unsicherheit – insbesondere im ländlichen Raum.

Am 01.05.2026 findet in Kamenz eine Demonstration gegen die Schließung der dortigen Geburtsstation statt.

Franziska Schubert, Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, erklärt dazu:

Wenn Geburtsstationen wegfallen, verschwindet ein zentraler Teil der Daseinsvorsorge und es fällt ein wichtiger Standortfaktor weg. Das ist keine abstrakte Strukturfrage, sondern betrifft ganz konkret Familien in einer sensiblen Lebensphase.“

„Die Zahlen zeigen eine deutliche Entwicklung: Seit 1991 ist die Zahl der Kliniken mit Geburtsstationen in Sachsen von 54 auf 34 gesunken. Gleichzeitig fehlen verbindliche Vorgaben zur Erreichbarkeit. Der Anspruch, dass Geburtskliniken „überwiegend“ innerhalb von 40 Minuten erreichbar sein sollen, reicht nicht aus, um eine verlässliche Versorgung sicherzustellen. Alternative Versorgungsangebote, etwa Geburtshäuser oder hebammengeleitete Angebote, gibt es kaum. Für Frauen ist es sehr wichtig, dass sie bei Schwangerschaft, Geburt, möglichen Komplikationen und auch bei Fehlgeburten eine sichere und schnell erreichbare Versorgung erfahren.“

„Die Ursachen sind bekannt: sinkende Geburtenzahlen, Fachkräftemangel und ein Finanzierungssystem, das die hohen Vorhaltekosten der Geburtshilfe nicht ausreichend abbildet. Selbst der Bund hat mit § 5 Absatz 2b Krankenhausentgeltgesetz anerkannt, dass Geburtshilfe nicht allein über Fallzahlen finanziert werden kann.“

Schubert weiter: „Das Problem wird seit Jahren nicht konsequent angegangen. Stattdessen erleben wir eine schleichende Ausdünnung der Versorgung. Geburtshilfe fällt zu oft aus wirtschaftlichen Gründen weg – das ist nicht richtig. Wir brauchen eine zuverlässige Finanzierung und Anreize für die Niederlassung von Ärzt*innen der Frauenheilkunde, der Kinder- und Jugendmedizin und für Hebammen.

 

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag fordert deshalb ein klares Umsteuern:

  • ein landesweites Gesamtkonzept „Sichere Geburt in Sachsen“, das Versorgung, Erreichbarkeit und Qualität verbindlich regelt und dabei alle in der Geburtshilfe relevanten Akteure einbindet,
  • ein Moratorium für weitere Schließungen insbesondere in strukturschwachen Regionen, um irreversible Strukturverluste zu verhindern,
  • die Stärkung alternativer Versorgungsmodelle wie Geburtshäuser und hebammengeleitete Angebote,
  • den Ausbau des Rettungsdienstes, auch mit stärkerer Einbindung von Hebammen,
  • sowie die Nutzung telemedizinischer Möglichkeiten, etwa zur Betreuung von Risikoschwangerschaften in Kooperation mit spezialisierten Zentren,
  • und es braucht gerade auch in der ländlichen Region die Absicherung der medizinischen Versorgung für Kinder und Jugendliche, denn nach der Geburt ist dies für 18 Jahre ein wichtiger Teil zum gesunden Aufwachsen.

 

Franziska Schubert betont: „Die Staatsregierung sieht doch, was hier vor sich geht. Anstatt nur zu bedauern, dass immer weniger Kinder geboren werden, muss und kann sie aktiv werden. Sie darf sich nicht länger darauf zurückziehen, dass Krankenhäuser in diesem Bereich eigenständig und nur nach Fallzahlen oder wirtschaftlicher Betrachtung entscheiden. Sie ist verantwortlich für die Krankenhausplanung und damit für die Sicherstellung der Versorgung. Jetzt braucht es aktives Gestalten statt Zuschauen.“

„Die aktuelle Entwicklung zeigt: Ohne ein entschiedenes Eingreifen droht die Geburtshilfe in Sachsen weiter unter Druck zu geraten. Ziel muss eine verlässliche, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung für alle Schwangeren im Freistaat sein.“

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