Datum: 28. August 2026

Corona-Enquete: Kultur hält die Gesellschaft zusammen – BÜNDNISGRÜNE fordern besseren Schutz in Krisen

Die Anhörung der Sachverständigen in der heutigen Enquete-Kommission „Corona-Pandemie“ zu den Auswirkungen der Pandemie auf Kultur, Kreativwirtschaft und gesellschaftlichen Austausch, hat einmal mehr verdeutlicht: Die Corona-Pandemie hat die Kulturbranche mit voller Wucht getroffen. Theater und Clubs mussten schließen, Konzerte und Veranstaltungen wurden abgesagt, Einnahmen brachen innerhalb kürzester Zeit weg. Für viele Kulturschaffende bedeutete das nicht nur den Verlust ihrer Arbeit, sondern unmittelbare Existenzangst.

Thomas Löser, Mitglied der Enquete-Kommission und gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, erklärt:

„Wenn der Staat zum Schutz der Gesundheit wirtschaftliche und kulturelle Aktivitäten einschränkt, muss er auch diejenigen verlässlich absichern, denen dadurch ihre Einnahmen wegbrechen. Gesundheitsschutz und wirtschaftliche Existenzsicherung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Besonders hart traf die Pandemie Solo-Selbständige und freischaffende Künstlerinnen und Künstler. Ihre wirtschaftliche Realität passte häufig nicht in die klassischen Raster der Unternehmensförderung. Die Soforthilfen waren in dieser Situation notwendig und haben viele Existenzen gesichert. Doch aus der schnellen Hilfe wurde für einen Teil der Betroffenen Jahre später eine neue Belastung. Unklare Förderbedingungen, unterschiedliche Aussagen zur Rückzahlbarkeit und schließlich Rückforderungen sorgten erneut für Unsicherheit und Existenzängste.

Die Sachverständige Anne-Cathrin Lessel, Künstlerische Leiterin LOFFT – DAS THEATER und Sprecherin der IG Landeskulturverbände Sachsen, bestätigt:

„Die Corona-Pandemie hat die Freie Kulturszene besonders hart getroffen. Viele Kulturschaffende und Solo-Selbstständige konnten schon zuvor kaum Rücklagen bilden – als Veranstaltungen abgesagt wurden und Einnahmen wegbrachen, ging es schnell um ihre Existenz. Umso wichtiger waren die Soforthilfen, Stipendien und die sächsische Richtlinie KulturErhalt. Sie haben finanzielle Ausfälle abgefedert und kulturelle Teilhabe auch unter Pandemiebedingungen ermöglicht. Gerade in Krisenzeiten brauchen wir eine starke Kulturszene: Sie schafft Räume für Begegnung, Austausch und demokratisches Miteinander. Das Bekenntnis des Freistaates zur Kultur während der Pandemie muss deshalb auch für die kommenden Jahre gelten!“

Thomas Löser ergänzt dazu:

„Wir BÜNDNISGRÜNE hatten bereits im April 2025 mit einem Antrag gefordert, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um Rückforderungen von Soforthilfe-Geldern für Kleinunternehmen und Solo-Selbständige möglichst verträglich zu gestalten. Dieser Einsatz war erfolgreich: Sachsen hat die Rückzahlungsregeln Mitte 2025 deutlich erleichtert und inzwischen bei mehr als 11.000 Anträgen auf eine weitere Forderungsverfolgung verzichtet. Für die Zukunft müssen wir daraus lernen: Krisenhilfen müssen schnell und unbürokratisch sein – aber von Anfang an auch klare Bedingungen und Rechtssicherheit schaffen. Eine Soforthilfe darf nicht Jahre später zum existenziellen Risiko werden. Deshalb müssen Unterstützungsmaßnahmen gemeinsam mit den künstlerisch Selbstständigen und aus ihrer konkreten Lebens- und Arbeitsrealität heraus entwickelt werden.“

„Kultur ist weit mehr als ein Wirtschaftszweig, sie schafft Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn das über Monate fehlt, verliert unsere Gesellschaft mehr als Eintrittsgelder und Umsätze. Deshalb müssen wir die Kultur krisenfester machen. Dazu gehören eine bessere soziale Absicherung von Solo-Selbständigen und freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern, passgenaue Krisenhilfen, transparente Entscheidungen sowie eine frühzeitige Einbindung der Kulturverbände und der Betroffenen.“

Weitere Informationen:

>> Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag ‚Rückzahlung von Corona-Hilfen überprüfen, fair und transparent gestalten – Unternehmen und Soloselbstständige entlasten, Verwaltungsverfahren verbessern‘ (Drs 8/2604)

Hinterlasse einen Kommentar

3 × 4 =

Um ein Kommentar zu verfassen, müssen Sie unsere Datenschutzbedingungen akzeptieren.