Ostdeutsche Windkraft soll sich auch auf der Stromrechnung auszahlen – Sachsen muss Vorstoß für regionale Preiszonen unterstützen
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat im Interview mit der Süddeutschen Zeitung die Forderung nach einer regionalen Differenzierung der Strompreise erneuert. Durch regionale Preissignale sollen die Bundesländer und Regionen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien maßgeblich tragen, endlich auch direkt von ihren Standortvorteilen und günstigen Erzeugungskosten profitieren. Sein Vorstoß ergänzt die Initiative von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).
Dazu erklärt Thomas Löser, energiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:
„Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Ostdeutschland als Vorreiter der Energiewende mit über 75 Prozent Ökostromanteil deutlich überhöhte Strompreise zahlt, während der hier günstig erzeugte Wind- und Solarstrom nach Transport über teure Trassen die Strompreise im Süden subventioniert. Der bündnisgrüne Länderrat hat deshalb mit der Forderung nach unterschiedlichen Strompreiszonen eine klare Position bezogen. Dass sich mit Dietmar Woidke und Daniel Günther nun auch Ministerpräsidenten von SPD und CDU für regionale Strompreissignale aussprechen, zeigt: Das ist machbar und ein konsequent marktwirtschaftliches Instrument, um Erfolge bei der Energiewende als ökonomischen Vorteil für Industrie, Bürgerinnen und Bürger spürbar zu machen.“
„Jetzt muss auch Ministerpräsident Kretschmer auf Bundesebene Stellung beziehen. Es reicht nicht aus, niedrigere Energiepreise immer wieder nur zu fordern. Vielmehr müssen die ganz real bestehenden Möglichkeiten zur Entlastung sächsischer Haushalte und Unternehmen auch beim Schopf gepackt werden.“
„Günstiger Strom aus Sonne und Wind kann und muss hier vor Ort zum echten Standortvorteil werden. Gerade für Sachsen, das beim Ausbau der Windenergie noch erheblichen Nachholbedarf hat, könnten regionale Preisvorteile Investitionen beschleunigen. Skandinavische Länder wie Schweden zeigen, dass geografisch differenzierte Strompreise Industrieansiedlungen fördern, den Ausbau der Erneuerbaren stärken und die Stromnetze spürbar entlasten.“
Mit Blick auf die Akzeptanz der Energiewende vor Ort ergänzt Thomas Löser:
„Wir wollen die Energiewende dort vorantreiben, wo sie ganz wesentlich mitermöglicht wird – und zwar für die Bürgerinnen und Bürger genauso wie für unsere heimische Wirtschaft. Regionale Preissignale sind das beste Mittel, um die Industrie im Mitteldeutschen Chemiedreieck durch günstige Erzeugungspreise fit für die Zukunft zu machen, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft entscheidend zu beschleunigen und weitere Ansiedlungen etwa im Silicon Saxony zu begünstigen. Dafür brauchen wir ein faires, netzdienliches und engpassorientiertes Modell, das Systemsicherheit garantiert und Klimaschutz auch auf der Stromrechnung spürbar macht. Wer die Lasten des Ausbaus trägt, muss auch von der Energiewende profitieren. Das stärkt die Akzeptanz und Sachsen als modernen Wirtschaftsstandort.“
Weitere Informationen:
>> Zum Beschluss des BÜNDNISGRÜNEN Länderrats vom 29. Juni 2026